Tansania
Die ersten 120 Kilometer geht es weiterhin über Asphalt, bis ich in Nyakanazi schließlich die Teerstraße verlasse. Von hier aus liegen jetzt 1.000 Kilometer Piste vor mir, davon 50 Kilometer durch einen Nationalpark. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich die gesamte Strecke auch fahren kann. In Uganda habe ich einen Engländer getroffen, der die Strecke vor kurzem auf der Ladefläche eines Pick-Ups zurückgelegt hat. Sein Bericht war nicht sehr ermutigend. Er erzählt von viel Schlamm und zeigt mir Bilder auf seiner Digital-Kamera. Die Strecke sieht tatsächlich nicht sehr gut aus – und die Regenzeit fängt hier erst jetzt so langsam an. Viel besorgniserregender finde ich allerdings die zahlreichen Löwen auf seinen Bildern, die er alle auf der Hauptstrecke durch den Katavi-Nationalpark aufgenommen hat. Ich will es trotzdem probieren und notfalls von Kigoma aus über den Lake Tanganyika verschiffen.
Die Piste beginnt vielversprechend. Sie ist zwar sehr staubig, hat aber wenig Schlaglöcher und ist glücklicherweise kein Waschbrett. Hier kann ich das Moped auf 50 km/h aufdrehen und komme gut voran. Richtig aufpassen muss man nur auf die Busse auf dieser Strecke. Mit Vollgas rasen sie durch den Staub und nehmen die Kurven wie Rallye-Autos seitlich “driftend”.
Irgendwo zwischen Kakondo und Kibongo überholt mich dann ein Geländewagen und hält vor mir. Es ist Jacob aus Holland, der seit 20 Jahren hier in der Gegend lebt und als Logistiker für eine norwegische NGO arbeitet. Er besucht nach und nach die zahlreichen Flüchtlingscamp in dieser Region. In Nord-West Tansania leben noch immer mehrere 10.000 Menschen aus Burundi, dem Kongo und teilweise aus Ruanda in Aufnahmelagern. Jacob ist überrascht von dem guten Zustand der Piste. Es hat seit fünf Tagen nicht geregnet, aber das bedeutet auch, dass es jederzeit wieder losgehen müsste. Und wenn es regnet, dann ist die Strecke südlich von Kasulu seiner Meinung nach, für mich unpassierbar.
Die nächsten 20 Kilometer fährt er langsam voran, um mir ein Guesthouse in Kibondo zu zeigen. Am Ortseingang kommt der wenige Verkehr plötzlich zum Stehen. Obwohl sich der Staub der Straße schnell legt, beginnen meine Augen zu tränen. Erst als es immer schlimmer wird, merke ich, dass die Luft voller Tränengas hängt. Über die Kreuzung vor uns laufen ein paar Polizisten in Kampfmontur. Die Straßen in Kibondo sind voller Menschen und die Stimmung wirkt sehr aufgekratzt. Mir gegenüber sind aber alle ausgesprochen freundlich. Am Guesthouse ankommen, erzählt der Hotelier, dass es einen Boxkampf in der Stadt gab. Ob es sich dabei um einen sportlichen Wettkampf oder eine gepflegte Keilerei auf der Straße gehandelt hat, sagt er allerdings nicht. Als ich später noch auf der Suche nach etwas zu Essen durch die Stadt laufe, hat sich die Stimmung wieder beruhigt und die meisten Leute haben die Straßen verlassen.
Als ich am nächsten morgen an der einzigen Tankstelle im Ort auftanken will, fällt der Strom aus. Glücklicherweise lässt sich die Zapfsäule auf Handbetrieb umschalten. Weiter geht die Fährt auf der Piste entlang der Grenze zu Burundi. Immer wieder geht dabei an großen Schildern des UNHCR vorbei, die auf die Flüchtlingscamps links und rechts der Straße hinweisen. Als ich am frühen Nachmittag Kasulu erreiche, bauen sich in meinem Nacken die ersten Gewitterwolken auf. Ich suche mir eine Herberge und beobachte, wie sich das Gewitter langsam auf die Stadt zu bewegt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gießt es wie aus Eimern. Das Gewitter kreist die ganze Nacht über der Stadt. Am nächsten Tag herrscht aber wieder schönster Sonnenschein.
In der Hoffnung, dass die Sonne die Piste trocknet, lasse ich mir mit meiner Abfahrt an diesem Tag viel Zeit. Erst gegen 11 Uhr rolle ich das Moped vom Hof der Herberge. Die Straßen im Ort stehen an den Rändern tief unter Wasser. Nach verlassen der Stadt bleiben mir noch 20 Kilometer, um mir zu überlegen, ob ich den Landweg in den Süden in Angriff nehme, oder in Kigoma die Fähre auschecke. Denn dann gabelt sich die Straße und die Hauptstrecke führt an den Lake Tanganyika. Da ich nach dem Wechsel des vorderen Kettenritzels in Kigoma vergessen habe, den Mitnehmer für den Tacho wieder richtig hinzubiegen, funktioniert der Kilometerzähler nicht mehr. Nach gefühlten 20 Kilometern ist weit und breit kein Abzweig zu sehen und auch in der nächsten dreiviertel Stunde komme ich an keiner Stichstraße vorbei. Die Piste nach Süden muss ich wohl verpasst haben. Ein Blick auf den Kompass bringt Gewissheit. Ich fahre schnurstracks nach Westen, in Richtung Kigoma. So schnell kann einem die Entscheidung abgenommen werden.
Die Piste ist hier in einem super Zustand. Direkt nach dem Regen heute Nacht muss hier ein sog. “Grader” rübergefahren sein. Ein Baufahrzeug, das mit einem Schild die obere Schicht der Piste wegkratzt und eine glatte Fahrbahn hinterlässt. Auf diesem Abschnitt der Strecke jagen die Autos mit Höchstgeschwindigkeit an mir vorbei. Ein Auto, das vorbei fliegt, kommt mir bekannt vor. Es ist Jacob. Als er hält, erzählt er mir, dass er gerade aus Uvinza, entlang der Piste nach Süden, kommt und die Strecke gut zu befahren und trocken sei. Jetzt Ärger ich mich doch, dass ich den Abzweig verpasst habe. Nun bin ich aber schon auf halbem Wege an den See… . Auch Jacob ist der Meinung, ich sollte erst mal nach Kigoma fahren und schauen, ob und wann das Boot fährt und dann könnte ich ja immer noch die Piste nehmen. Als er mir dann auch noch eine Abkürzung von Kigoma nach Uvinza verrät, ist mein Ärger verflogen.
Die letzten Kilometer haben es mal wieder in sich. Die Strecke wird gerade neu gemacht. Aber warum sie deshalb auf dreißig Kilometern komplett umgepflügt wurde, erschließt sich mir nicht wirklich. Als ich Kigoma erreiche, mache ich erst einmal wieder eine Erkundungsfahrt durch die Stadt per Moped. Die ersten Hotels, die ich anlaufe erweisen sich als zu teuer, aber schließlich finde ich eine Bleibe etwas außerhalb des Zentrums. Mit dem Minibus, die hier Daladala heißen, fahre ich später zum Fährhafen. Die Auskunft, die ich hier erhalte, ist ernüchternd. Das Schiff fährt inzwischen nur noch zweimal im Monat und hat gerade erst gestern in Richtung Süden abgelegt. Der Hafenmeister ist aber sehr bemüht und treibt nach langem Suchen einen Mitarbeiter der Schifffahrtsgesellschaft auf. Aber auch der weiß nichts Weiteres zu berichten. Beide geben mir dann noch den Tipp, einfach den Kapitän eines Frachtschiffes zu fragen, ob er mich mitnehmen kann. Für ein paar Dollar machen die das eigentliche immer. “And it will be much more comfortable” gibt mir der Hafenmeister noch mit auf den Weg. Morgen probiere ich die Piste… .
Am nächsten Morgen werde ich von lautem Klopfen an meine Zimmertür geweckt. Das erste Klopfen ignoriere ich noch. Wenn es wichtig ist, kann es derjenige ja noch mal später versuchen. Das Klopfen hält unvermindert an und wird mit jedem Mal nachdrücklicher. Es muss wohl wichtig sein. Also frage ich nach, wer da ist und was er will. Als Antwort erhalte ich lediglich: “I am coming to check on you.” Aha. “Who are you?” “I want to check on you.” Das ist mir zu blöd und ich leg mich wider hin, und versuche weiterzuschlafen. Das ist dem Klopfer vor der Tür wiederum zu blöd und er beginnt mit beiden Händen an meine Tür zu trommeln.
Irgendwann gebe ich genervt nach und reiße die Tür auf: “What do you want?” “Now I have to arrest you” antwortet der Klopfer. Soso, da würde ich aber erst mal gerne ihre ID sehen. Er hält mir seinen Ausweis unter die Nase und als ich danach greifen will, fährt er mich an: “Just look, don’t touch!” Der Herr ist vom Immigrations-Office, der tansanischen Einwanderungsbehörde. Als nächstes soll ich meinen Pass präsentieren. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, ihm meinen Pass mit den Worten vor die Nase zu halten “just look, don’t touch”. Als er versucht, trotzdem den Pass zu greifen, lasse ich ihn aber gewähren. Ich sollte den Bogen nicht zu sehr überspannen. Der Klopfer blättert meinen Pass von vorne nach hinten und von hinten nach vorne durch und wiederholt dabei immer wieder: “I have to arrest you, … have to arrest you”. Nachdem er alle Visa im Pass mehrmals genauestens angeschaut hat, entdeckt er endlich das Tansanische. Trotzdem er sichtlich bemüht ist, eine Unregelmäßigkeit in dem Dokument zu entdecken, bleibt er erfolglos. Schließlich gibt mir wortlos den Pass zurück. Dann verschwindet er mit den Worten “next time you don’t open the door I have to arrest… ” Ja, ja. Ich lege mich wieder ins Bett.
Obwohl die Abkürzung nach Uvinza auf keiner meiner Karten verzeichnet ist, finde ich sie auf Anhieb. Wider habe ich Glück mit dem Wetter. Es regnet nicht und die Sonne trocknet die letzten Pfützen auf der Strecke. Bereits am Mittag komme ich nach Uvinza. In meinen Reiseführer habe ich gelesen, dass das kleine Städtchen ein wichtiges Salz-Abbaugebiet ist. Ich erwarte deshalb eher eine ungemütliche Industriestadt und bin überrascht ein kleines idyllisches Dorf vorzufinden. Der Ort ist mir auf Anhieb sympathisch und ich entschließe, eine Nacht zu bleiben. Das gibt mir auch genügend Zeit das Moped zu warten und den Tacho wieder zum Laufen zu bringen.
Der nächste Tag beginnt wolkenverhangen. Es ist schwül-heiß, aber es Regnet nicht. Das ändert sich aber nur wenige Kilometer hinter Uvinza. Die Piste führt hauptsächlich durch dichten Wald und bleibt somit fürs Erste trocken. Die Strecke schlängelt sich als enges, rotes Laterit-Band über kleine Hügel und durch schmale Täler. In den Tälern ist die Landschaft regendurchtränkt, fast schon moorig. Nach 60 Kilometern beginnt es dann richtig zu Schütten. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die Piste in eine Rutschbahn. Es dauert nicht lange und ich liege das erste Mal im Matsch. Viel zu unvorsichtig war ich die ersten Kilometer Schmierseife angegangen. Mit höchstens 20-30 km/h komme ich jetzt noch voran. Aber auch das ändert sich, als tiefe Spurrillen in der Piste auftauchen. Mein Vorder- und Hinterrad sind jetzt ständig uneins darüber, ob sie neben oder in den tiefen Rillen rollen sollen. Ab diesem Zeitpunkt höre ich auf, meine Stürze zu zählen.
Der Regen wird immer stärker und Abschnitte tiefen Schlammes nehmen an Häufigkeit und Länge zu. In diesen Abschnitten sinkt das Moped 20 Zentimeter tief in den Morast ein und nur mit Mühe und im ersten Gang, Vollgas komme ich noch vom Fleck. Alle paar hundert Meter muss ich anhalten und die Radläufe und vor allem die Kühlrippen des Motors mit einem Stock Freikratzen. An einigen besonders tiefen Stellen hilft nur Umschalten auf Allrad: Absteigen und im ersten Gang mit schleifender Kupplung schieben. Irgendwann hört der Regen auf und ich mache mir Hoffnung, dass die Plackerei bald ein Ende hat. Zuerst scheint sich meine Hoffnung zu bestätigen und auf ein paar Kilometern Schmierseife komme ich einigermaßen gut voran. Dann aber wird es richtig schlammig. Zu meinem Glück sind entlang dieses Stückes Arbeiter damit beschäftigt, rinnen vom Pistenrand tief in den Wald zu graben, um das Wasser abzuleiten. Ob das Konzept aufgeht, weiß ich nicht, aber bestimmt ein Dutzend Mal kommen sie mir zu Hilfe und schieben mich an, wenn die Schwalbe hoffnungslos im Morast feststeckt und der Motor immer wieder abstirbt. Ich glaube, ich habe die Schwalbe auf der ganzen Reise zusammengenommen, nicht so häufig wieder angekickt, wie auf diesen wenigen Kilometern.
Irgendwann aber ist die Stafette hilfsbereiter Straßenarbeiter erschöpft und völlig schweißgebadet schiebe, ziehe und zerre ich das Moped Meter für Meter die Schlammpiste entlang. Als ich mich auf dem schlechtesten Abschnitt nahezu hoffnungslos im Schlamm festgefahren habe, habe ich wieder Glück. Nur wenige hundert Meter vor mir hat sich ein LKW festgefahren, der eigentlich die Straßenarbeiter entlang der Strecke einsammeln sollte. Die Bauarbeiter, die er schon auf der Ladefläche hatte, haben es sich bei einem Feuerchen neben der Piste gemütlich gemacht. Als sie mich da rum krebsen sehen, kommen acht von ihnen zu mir herüber und mit vereinten Kräften zerren wir das Moped weiter vorwärts. Kurz vor dem festgefahrenen Truck hilft dann nur noch tragen. Bis zu den Knien im Matsch versunken, hieven wir die Schwalbe um den festsitzenden LKW. Als Dank will ich meine Keksvorräte verteilen, aber stattdessen laden sie mich zum Essen ein. Es werden zwei große, rußgeschwärzte Töpfe rangeschafft und es gibt Ugali (Maismehl-Brei/Teig) mit Bohnen.
Als ich nach dem Essen gerade dabei bin, das Moped von den kiloschweren Erdmaßen zu befreien, kommt ein Land-Cruiser der UN angefahren. Nachdem dem Fahrer klar wird, dass der LKW so schnell nicht die Piste frei machen wird, probiert er es querfeldein durch den Busch. Nach wenigen hundert Metern hat er sich gnadenlos festgefahren. Die eben noch tatkräftigen Helfer stehen jetzt mit den Händen in den Hosentaschen und feixen sich einen. Als ich meine Hilfe anbieten will, halten sie mich zurück. “No. Let them do it.” Gibt es da Ressentiments?
Hinter dem LKW ist die Strecke wieder besser und langsam nehme ich meine Rutschpartie wieder auf. Die Oberfläche der Laterit-Piste trocknet relativ schnell und ich werde zunehmend wieder mutiger. Nur dort, wo große Pfützen die Piste bedecken, muss ich noch ab und an schieben. Gegen 19 Uhr beginnt die Dämmerung und ich beginne, mich nach einem Schlafplatz umzublicken. Trotz Schinderei und Schneckentempo habe ich heute 120 Kilometer zurückgelegt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit biege ich in den Wald ab und rumpel einige hundert Meter von der Piste weg in die Walachei. Todmüde schlaf eich sofort ein.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Die noch verbleibenden 80 Kilometer bis Mpanda lege ich bis zum Mittag zurück. Im Ort nehme ich mir ein Zimmer und verschlafe den Tag, bis mich der Hunger wieder raustreibt. Auch den folgenden Tag bleibe ich in der Stadt. Das Moped braucht dringend ein bisschen Zuwendung. Alleine das Runterkratzen des festgetrockneten Schlammes dauert mehrere Stunden. Die Radläufe und der Motor sind wie eingegipst. Während ich am Moped zu Gange bin, werde ich von mehreren Leuten angesprochen, ob ich die Piste durch den Nationalpark genommen habe. Als ich verneine und erzähle, dass der Park noch vor mir liegt, schlagen die Leute die Hände über dem Kopf zusammen. “Don’t go! Lions!”
So gefährlich kann es doch eigentlich gar nicht sein. Ich habe einige Reiseberichte von Motorradfahrern gelesen, die diese Route genommen haben. Und auch Christoph und Gideon, mit denen ich für ein kurzes Stück im Sudan unterwegs war, sind vor zwei Monaten diese Strecke gefahren. Aber alle, mit denen ich spreche, erzählen mir, dass sie gerade erst durch den Katavi-Nationalpark gefahren sind und zahlreiche “Simbas” auf der Strecke gesehen haben. Jetzt in der Regenzeit ist die Vegetation im Park so dicht, dass die Tiere bevorzugt die Piste benutzen.
Abends treffe ich drei Mitarbeiter des tansanischen Gesundheitsministeriums, die in der Gegend Schulungen abhalten. Auch sie raten mir davon ab, den Park zu passieren. Wenn ich es dennoch probieren will, sollte ich so früh wie möglich aufbrechen. Als mein Wecker an nächsten morgen noch vor dem Sonnenaufgang klingelt, prasselt heftiger Regen auf das Blechdach meiner Herberge. Ich drehe mich wieder um und schlafe weiter. Noch so eine Schlammschlacht, wie auf der Etappe zuvor, will ich mir ersparen. Dieses Terrain ist bei Regen nichts für eine Schwalbe. Auch am darauf folgenden Tag Regnet es fast ununterbrochen. Ich begebe mich in die Stadt, um der Schwalbe und mir eine Mitfahrgelegenheit zu besorgen. Der Regen und die vielen Geschichten über “Simbas” auf der Straße haben mich nachdenklich gemacht. Ich spreche mit einigen Leuten, aber es ergibt sich keine Möglichkeit mitzufahren. Nur der Bus, der ab hier wieder in Richtung Süden verkehrt, will mich mitnehmen. Allerdings soll das Moped liegend in einem Gepäckfach unterhalb der Passagiere mitreisen. Bei den Pisten hier und der Fahrweise der Busse, wäre das wie der Schleudergang in einer Waschmaschine für die Schwalbe. Das muss nicht sein. Abends komme ich mit dem Leiter einer Schule im Ort ins Gespräch. Er ist der Erste, der die Löwengeschichten ein wenig relativiert. Er wohnt schon sein ganzes Leben hier im Ort, hat aber noch nie gehört, dass ein Löwe im Park einen Menschen attackiert hat. Außerdem gibt es in der Regenzeit einen reich gedeckten Tisch für die Tiere. “Fahr früh morgens und es wird nichts passieren.”
Am nächsten morgen bin ich früh startklar. Nach ca. 30 Kilometern erreiche ich den Eingang zum Park. Hier befindet sich auch das “Park-Headquarter”. Ich halte an und frage einen der Mitarbeiter der Parkverwaltung nach seiner Meinung zu meinen Transit-Plänen. Es kann gut sein, dass ich auf Löwen treffe, aber die Tiere sind an motorisierte Menschen gewöhnt. Von alleine würden sie niemals attackieren, nur wenn sie sich bedroht fühlen. Ich soll mich den Tieren nicht weniger als vier Metern nähern und möglichst nicht zwischen den Löwennachwuchs geraten. “And: Stay away from the Elephants.”
Nachdem ich die Parkverwaltung verlassen, und die ersten Kurven im Park genommen habe, finde ich mich in einer Herde Impala-Antilopen wieder. Die Tiere traben nur langsam von der Straße und verschwinden im Wald. Kurz darauf kreuzen zwei Giraffen meinen Weg. Die Piste ist nur auf den ersten Kilometern in einem guten Zustand. Danach ist sie wieder matschig, mit tiefen Spurrillen und immer wieder einigen Wasserdurchfahrten. Als ich nach 90 Minuten den Park durchquert habe und anhalte, um ein Foto zu schießen, endet der Tierfilm mit einer Attacke blutrünstiger Tsetsefliegen. Löwen habe ich keine gesehen. Eigentlich schade, vielleicht aber auch ganz gut so… .
Außerhalb des Parks ist die Piste wieder in einem passablen Zustand und das Wetter spielt weitestgehend auch mit. Kurz vor Sumbawanga komme ich noch einmal in einen heftigen Schauer, den ich aber unter einem Baum aussitzen kann. Bis Sumbawanga kann ich dann allerdings wieder nur schlittern und schleichen. In Sumbawanga bleibe ich über Nacht.
Kurz hinter dem Ort trennt sich die Piste. Die Hauptsrecke führt nach Mbala in Sambia und eine kleinere Piste zu einem weiteren Grenzort weiter im Süd-Osten an der sambischen Grenze. Von hier aus beginnt die Teerstraße, die mich wieder ein Stück ins Landesinnere von Tansania bringen soll. Von hier aus geht es dann in einem kleinen Bogen nach Malawi. Die Piste von Sumbawanga nach Tunduma ist teilweise in einem katastrophalen Zustand. Die Strecke ist übersäht mit tiefen Schlaglöchern, Rillen und Wellblech. Nach 214 Kilometer hat diese finale Tortur vorerst ein Ende. Erst in der Dunkelheit erreiche ich den lange herbeigesehnten Asphalt.
Nach einer kurzen Tagesetappe von 120 Kilometern checke ich in ein Guesthouse in Mbeya ein. Hier will ich 2-3 Tage bleiben und mal wieder das Moped warten. Bei den Fahrten durch die Wasserlöcher ist schlammiges Wasser in die Bremstrommeln gelaufen und hat die Belege runter geschliffen. Außerdem verformt sich zunehmend die Blechkarosserie, so dass sie auf heftigen Schlaglochstrecken schon das Hinterrad berührt. Nach dem Ausbau des Hinterrads stelle ich dann auch nochfest, dass das Radlager festgelaufen ist. Glücklicherweise habe ich auch hierfür Ersatz im Gepäck. Nach drei Tagen Basteln und Ruhe verlasse ich Mbeya in Richtung Malawi.
179. Tag
Rusumo Falls – Kibondo
180. Tag
Kibondo – Kasulu
181. Tag
Kasulu – Kigoma
182. Tag
Kigoma – Uvinza
183. Tag
Uvinza – Mpanda
184. – 185. Tag
Mpanda
186. Tag
Mpanda – Sumbawanga
187. Tag
Sumbawanga – Tunduma
188. Tag
Tunduma – Mbeya
189. – 190. Tag
Mbeya
Malawi »
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7 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?
Gerste
… absoluter Wahnsinn ! Freue mich schon wieder auf die nächste
Episode des Schwalbedramas !!!! Weiterhin Hals und Beinbruch !
15. April 2009
Reemt
Hallo Florian!
Echt packende Berichte und Fotos, die du da präsentierst. Ich lese immer fleissig mit. Bin selbst Schwalbefahrer und deine Erlebnisse bestätigen mir, dass die Dinger doch unverwüstlich sind. Klasse Sache! Weiter so! Liebe Grüße aus Ostfriesland.
Reemt
15. April 2009
Jo
DU BIST VERRÜCKT!!!
Heute haben wir afrikanisch gekocht…
Lotta hat alles probiert und immer wieder gesagt:
” Das isst Onkel Flo auch!” Super Trick!
Liebe Grüße aus der Meise von uns 3en
kiss
jo
16. April 2009
philli
hey floflow,
vielleicht schaffst du ja auch noch mal ne giraffe auf der schwalbe zu tunneln.aber auch ohne DU BIST DER MANN.fetten respekt von steffi und mir. be save altes haus,
bis bald,steffi und philli
17. April 2009
GGIR
Hallo Florian,
laut Deiner Twittermeldung bist Du nun ja schon in Botswana.
Wie sieht es mit der Regenzeit aus? Ich hoffe, Du wirst nicht in den
Fluten untergehen und Deine Schwalbe wird Dich sicher über die
Pisten tragen.
Hol di fuchtig un pass op di op!
Herzliche Grüße
GGIR
22. April 2009
olli
voll geil die strecke…sowas brauch ick hier in HH fuer meine simson enduro
ein traum die schlammstrecke….
jute weiterfahrt, wa
gruss aus st.pauli
22. April 2009
Christoph
lieber Flo!
Deine Berichte hier zu lesen ist wie ein DejaVu. Als wir im Januar die Strecke durch Tanzania auf den BMW’s passierten war es schon sehr schlammig- und die Regenzeit ging ja da erst los… mein lieber Generaldirektor!!- eine superstramme Leistung habt Ihr beiden da hingelegt.. Du und Deine Schwalbe. Klasse Berichte, authentisch erzählt. Ich fands sehr schade, daß wir uns in Karthum trennen mußten. Lustig, daß Du Johanna und Anselm wiedergetroffen hast. Gebt ihr Euch jetzt ein Stelldichein bei Gideon in Kapstadt?? Halt die Ohren steifff! Weiterhin viel Glück, Christoph
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17. Mai 2009
Kommentar hinterlassen zu “Tansania”