Durch Tschechien und die Slowakei
Die ADAC-Karte, die ich mir in Zittau kaufe erweist sich für meine Zwecke als völlig unbrauchbar. Kurz nach Grenzübertritt finde ich mich auf der Autobahn wieder. Die neue, an der Autobahn-Tankstelle gekaufte, Karte führt mich dann über eine wunderschöne und leicht bergige kleine Nebenstrecke. Die kleinen Straßen sind ideal zum Mopedfahren. Dank der guten Ausschilderung und des wenigen Verkehrs fliegt man entspannt durch die Landschaft.
In Pardubice stoße ich mal wieder auf die Elbe und verbringe die Nacht in einem Hotel in der Stadt. Mangels Verfügbarkeit normaler Zimmer gibt man mir eine Art Zwei-Zimmer-Apartment. So kann ich im Nebenraum wunderbar mein Zelt zum trocknen ausbreiten. Der nächste Tag beginnt erstmals mit Regen. Im Tausch gegen die Regenkleidung wandert nun das Schafsfell ins Gepäck - eine deutliche Komforteinbuße im Sitzbereich. Schon auf den ersten Kilometern bemerke ich, dass die Schwalbe etwas schwächelt. An kleinen Steigungen muss ich früher runterschalten und auch die Endgeschwindigkeit auf der Geraden ist geringer. Liegt das an der Nässe? Würde mich eigentlich wundern. Nach weiteren Kilometern stellt sich keine Besserung ein. Entgegen vorherigen Plänen beschließe ich auf direktem Wege nach Brno zu fahren. In der zweitgrößten Stadt Tschechiens glaube ich möglicher technischer Hilfe am nächsten zu sein.
Einige Kilometer vor Brno beginnt bei einem Ampelstopp auf einmal ein leicht jauliger Pfeifton. Abstellen und Gulaschessen hilft leider nicht und so fahre ich mit Pfeifton und vorsichtiger Hand am Gaszug nach Brno. Die Hostels der Stadt sind leider seit September geschlossen und dienen wieder ihrem ursprünglichen Zweck. Es sind die Wohnheime der zahlreichen Studenten der Stadt. Als ich das Moped abstelle, um in einem Internet-Café Auskunft über eine Übernachtungsmöglichkeit einzuholen, spricht mich ein Student der technischen Uni Brno an. Nur kurz nachdem ich ihm mein Moped- und Übernachtungsproblem erzähle, finde ich mich als sein Gast in seinem Wohnheim-Zimmer wieder.
Den nächsten Tag verbringe ich vollständig mit der Fehlersuche an der Schwalbe. Äußerlich ist alles in Ordnung. Die Schwungmasse schleift nicht, Räder und Kette drehen frei und der Kickstarter lässt sich mit gewohntem Widerstand durchtreten. Die Kupplung hat auch nicht an Bissigkeit verloren. Also Zylinder runter. Keine auffälligen Schleifspuren, kein auffälliges Spiel. Mehr kann ich auf dem Parkplatz der Uni nicht bewerkstelligen. Eine professionellere Umgebung muss her. Telefonisch macht sich mein Gastgeber auf die Suche nach einer simsonkundigen Werkstatt. Zuerst lande ich mit der Schwalbe in einer Berufsschule der Motorradmechaniker. In einer fein ausgestatteten Werkstatt kümmern sich sofort acht Azubis um den exotischen Vogel. Eine Schwalbe hat bisher noch niemand von den Nachwuchskräften zu Gesicht bekommen. Auch der Lehrer/Ausbilder kennt zwar Simson, aber eine Schwalbe hat auch er noch nicht auf der Hebebühne gehabt. Nach fünf Stunden wiederholtem Aus- und Einbau des Motors und ausgiebiger Analyse des Treibwerks bleibt leider Ratlosigkeit. Immerhin: viele Fehlerquellen können ausgeschlossen werden. Bezahlen muss ich für den personalaufwändigen Einsatz nichts, nur versprechen, Postkarten zu schreiben und einen Aufkleber der Berufsschule am Moped anzubringen.
Am nächsten Tag geht es dann zu einer kleinen Motorradwerkstatt am südlichen Ende der Stadt. Der Mechaniker ist Simson-Erfahren, aber skeptisch, den Fehler beheben zu können, nachdem er hört, was bereits alles gecheckt wurde. Auch hier bleibt am Ende nur Ratlosigkeit. Das exakte Einstellen von Vergaser und Zündung verringert wenigstens den Leistungsverlust ein wenig. Nach der schon obligatorischen Bezahlung per Postkarten-Versprechen beschließen wir gemeinsam, dass es das Beste ist, mit dem Patienten weiter bis nach Ungarn zu fahren. Dort gibt es viele Schwalben, viele Ersatzteile und eine Menge Schrauber, die sich damit auskennen.
Pünktlich zur Abfahrt aus Brno regnet es mal wieder. In Nové Zámky in der Slowakei komme ich erst in die Dunkelheit und dann in sintflutartigen Regen. Durchnässt bis auf die Haut steige ich mal wieder in einem Hotel ab und genieße die heiße Dusche. Morgen geht es dann nach Budapest. Tschechien und die Slowakei bleiben in guter Erinnerung zurück. Hier habe ich ausschließlich liebenswürdige und sehr hilfsbereite Menschen getroffen.
Die Schwalbe läuft eigentlich recht gut, nur glaube ich, dass es auf lange Sicht besser wäre, dem Geräusch bald mal auf die Schliche zu kommen.
5. Tag
Zittau - Pardubice
6. Tag
Pardubice - Brno
7.-9. Tag
Brno
10. Tag
Brno - Nové Zámky






15 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?
lars
na, da sitze ich hier in weimar und schaue was in der großen weiten welt so los ist und wieder ein neuer eintrag! schön!! ich hoffe du hast das problem in budapest entdeckt… und es geht ohne probleme weiter.
29. September 2008
Peter
Moin Flo!
Schön das du voran kommst. Habe hier die Glaskugel ausgepackt und befragt. Leider kann ich mir auf die Geräusche auch keinen Reim machen. Hast vielleicht einen Hamster getankt?
Gruß
Peter
29. September 2008
Marius
Moin Flo!
gut das es doch noch nette und hilfsbereite menschen gibt! werde deine reise auch noch weiterhin verfolgen, bin schließlich selber schwalbenfahrer
ich kann dir aber bei dem gepfeife leider auch nich helfen, aber solang sie noch gut fährt und nicht auseinander fällt geht es doch noch!
Gruß
Marius
29. September 2008
broti
Hey Florian,
soll ich meine Piaggio Boxer per UPS-Kurier schicken?
Nein, bitte nicht lynchen… die hätte es vermutlich noch nicht mal nach Lauenburg geschafft.
Ich hoffe, Du bekommst das ganze in den Griff - denn hinterm Ostblock geht´s ja auch noch etwas weiter. Es freut mich mal wieder zu hören, wie sehr Menschen sich untereinander helfen, wenn sie auf Reisen sind oder Reisende treffen und bei sich zuhause bewirten.
Und jetzt zum “aufbauenden” Teil. Ich zum Beispiel habe den ganzen Tag in irgendwelchen schrecklichen Meetings gesessen, mein Motorrad hat ein Ticket bekommen, weil es auf dem Fußweg stand und mein Steuerberater mahnt die Erklärungen für 2007 an. Freue Dich bitte also über das Pfeiffgeräusch und den Regen - denn Du bist da draußen auf einer großen, wundervollen Reise.
Ich beneide Deinen Mut und beneide Dich für jede Erfahrung, ob gut oder schlecht.
29. September 2008
Kai
hallo floh,
ganz großes kino , was du da leistest. das ” GEZWITSCHER ” deinem vogel ist auch mir ein rätzel. aber egal ,augen zu und durch .werde deine reisen weiterhin aufmerksam verfolgen.einen lieben gruß von den simsonfreunden roydorf.
kai
30. September 2008
W. Wiemann
Hallo Florian!
Ich hatte mal pfeifgeräusche an einem Motor, hervorgerufen durch einen Stofffetzen der mit der Kühlluft von dem Lüfter angesaugt war. Hat sich irgendwann selbst erledigt. Ich wünsche Dir viel Glück bei Deinem Abenteuer.
Gruß
W
4. Oktober 2008
Dietmar
Hallo Florian,
ich verfolge deine Tour mit Interesse und hoffe das du und deine Schwalbe alles gut überstehen. Es macht Spaß deine Berichte zu lesen. Ich wünsch dir bei der Fehlersuche an der Schwalbe viel Erfolg, und weiterhin eine gute Reise.
Gruß
Dietmar
5. Oktober 2008
Ingo Rolke
Lieber Florian,
aus dem Urlaub zurück habe ich jetzt Deine bisherigen Berichte gelesen und mich somit über Deine Tour per Internet informiert. Uns geht es gut und hoffe das gleiche von Dir. Viel Glück und alles Gute auf Deinem weiteren Weg. Wir halten Dir die Daumen.
Herzliche Grüße
GGIR
5. Oktober 2008
Thomas Brune
Hi Florian.
Schon mal getestet ob die Kondensatoren an der Zündanlage / Lichtmaschine OK sind? Ich hatte durch einen defekten Kondensator schon mal ein drehzahlabhängiges Pfeifen. Das wird dir eher weniger auffallen da du ja an der Schwalbe keine Batterie hast. Sollte der Schaden allerdings größer werden kann es sein das es deine Zündanlage zerreißt.
Viel Glück.
Thomas Brune
7. Oktober 2008
fabs franz
moin flo,
grüß mir ungarn und budapest, da war ich als kind mal. von so ein paar “geräuschen” solltest du dich nicht verrückt machen lassen. wird sich schon wieder “zurechtruckeln”. pass auf dich auf und viele grüße aus der heide
fabs und roni
7. Oktober 2008
broti
Zwischen Sofia und Istanbul… bitte, Florian, schreib uns was!
8. Oktober 2008
Maximilian Schulze
Hey Flo…dieses pfeifen kommt, so denke ich, vo bereich zylinder-motor!!! anders kann ich es mir nich vorstellen…
ich kann gut mit dir fühlen…war mit freunden un den mopeds schon am harzring und in zwickau un das sin beides male ungefähr 200km von uns daheim entfernt…es is anstrengend und auch manchmal zum durchdrehen!!!
ABER ich kann dir versprechen, wenn du das geschafft hast..dann kannste zu dir selber sagen: “ICH WAR EINMAL IM LEBEN RICHTIG FREI!!!!” (..wie ein Vogel^^)
ALSO ICH WÜNSCH DIR ALLES ERDENKLICH GUTE!!!
VIEL SPASS!!! (den wirste haben, oder hattest ihn schon^^)
HAUSTE REIN^^ (PS: bringste mir ne afrikanische schwalbe mit?? xDDDD)
9. Oktober 2008
Ralf
Hi Flo!
Bei dem TEMPO, das Du an den Tag legst, war das Pfeifen der Fahrtwind.
Nach meiner Erfahrung mit der Schwalbe hätte ich nie so ein Vorankommen erwartet. Margot und Erich sind stolz auf Dich.
Die Bilder sehen sehr interessant aus. Wir hoffen die Erkältung ist “verflogen” .
Liebe Grüße von Ralf, Anuschka und Mathis
P.S.: Da drüben ist schon Afrika - in zehn Minuten ist Flo da.
9. Oktober 2008
Mirek Rollinger
Hi, thank you for postcard from Istanbul. It was after 5 days in Brno from Turkey. We believe your motorcycle will arrive bravely. We watching your way periodically and cross fingers.
Mirek Rollinger, Secondary school, Brno
2. November 2008
berlin
Gut!
2. März 2009
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