Bulgarien wie im Fluge
Sofia erreiche ich mal wieder zur Rushhour. In dem dichten Verkehr brauche ich fast eine Stunde, um ins Zentrum vorzudringen. Nachdem ich mir an einem Geldautomaten Bulgarische Leva besorge, kaufe ich in einem Buchladen eine Straßenkarte von Bulgarien. Nach einer gefühlten Ewigkeit finde ich ein Hostel in einer ruhigen Seitenstraße nicht weit vom Zentrum entfernt. Ich bin ziemlich müde von den fast 300 Kilometern, die ich heute zurückgelegt habe. Beim abendlichen Spaziergang ins Zentrum, lässt sich erahnen, was für eine schöne Stadt Sofia ist. Auffällig sind außerdem die vielen Straßenhunde und die geradezu absurde Anzahl an Geldautomaten. Auf jeden Hund kommt mindestens ein Geldautomat. Beim Essen lese ich eine Bulgarien-Broschüre für Touristen, die ich im Hostel bekommen habe. Die Broschüre ist von entwaffnender Offenheit und warnt vor diversen Fallstricken für Touristen in Bulgarien. Am hilfreichsten aber finde ich die Information, dass in Bulgarien für “Nein” genickt und für “Ja” der Kopf geschüttelt wird. Gut zu wissen.
Am nächsten morgen bin ich früh wach und freue mich über ausreichend Zeit zu Frühstücken und im Internet nach Hostels entlang der Strecke zu suchen. Nur leider habe ich dabei nicht an die Zeitverschiebung gedacht. Sofia ist eine Stunde der MEZ voraus und so muss ich mich doch wieder beeilen, meine Sachen rechtzeitig aus dem Hostel zu schaffen. Ohne wirklich viel von Stadt gesehen zu haben, verlasse ich Sofia. Eigentlich schade. Die ersten Kilometer verläuft die Landstraße, die ich nehmen will, gemeinsam mit einer Autobahn. Auf der frisch geteerten Straße rolle ich sanft dahin. Diese erschütterungsfreie Fahrt führt aber dazu, dass sich Partikel, die ich wohl im Tank habe, am Sieb des Benzinhahns ablagern. Mehrmals geht die Schwalbe während der Fahrt aus und ich muss dass Moped kräftig durchschütteln, damit es wieder läuft. Nach einer halben Stunde trennen sich Autobahn und Landstraße und ich biege ab. An einigen Stellen ist der Zustand der Straße jetzt so miserabel, dass ich hier mit Sicherheit kein Problem mit einem zugesetzten Benzinsieb bekomme.
Da ich mich beim Geldabheben total verschätzt habe, bin ich bereits in Sofia schon wieder mein ganzes Bargeld losgeworden. Der Sprit reicht noch für ca. 100 Kilometer und ich steuere sicherheitshalber die nächste Tankstelle an. Auf die Frage nach Kreditkarten-Akzeptanz folgt heftiges Nicken. Also Nein. Auf den nächsten 50 Kilometern nicken dann die Warte jeder Tankstelle, die ich ansteure. In den kleinen Städtchen entlang der Strecke findet sich leider keine Bank. Warum nimmt man nicht ein paar Geldautomaten aus der Hauptstadt und verteilt sie übers Land? Als ich schon ein bisschen nervös wegen des Benzins werde, nickt der nächste Tankwart zwar erneut auf meine Frage, weiß aber von einem Geldautomaten in der nächsten Stadt zu berichten. Bis dahin sind es nur noch 15 Kilometer.
Mit vollen Tanks geht es weiter nach Plovdiv. Von Sofia bis dorthin sind es nur 150 Kilometer und so komme ich bereits am frühen Nachmittag in der Stadt an. Das Hostel, dass ich im Internet gefunden habe, befindet sich mitten in der Altstadt. Auf meiner Straßenkarte von Bulgarien ist auch ein Stadtplan von Plovdiv. Mir war schon aufgefallen, das sich die Straße, in dem das Hostel liegt, inmitten von einem Netz aus Fußgängerzonen befindet. Und tatsächlich. Jeder Versuch die Straße zu erreichen endet vor einer Fußgängerzone. Nachdem ich glaube, alle möglichen Varianten, mich dem Hostel zu nähern, ausprobiert zu haben, fahre ich schließlich auf einem engen Fußweg durch das alte Burgtor in die Altstadt. Wie die zahlreichen Autos, die in der Straße des Hostels unterwegs sind, dort hingekommen sind, bleibt mir schleierhaft.
Es ist angenehm, mal so früh in einer Stadt angekommen zu sein, dass man noch bei Tageslicht durch die Straßen laufen kann. Plovdiv ist eine beeindruckende Stadt. Es ist eine der ältesten Siedlungen in Europa und verfügt über viele bauliche Überreste aus römischer Zeit. Auch in Plovdiv könnte man tagelang Neues entdecken. Da ich aber die langen Pausen aus Tschechien und Ungarn aufholen will, verlasse ich auch Plovdiv nach nur einer Nacht.
Obwohl der Tag wieder mit Regen beginnt, entwickelt sich ein schöner Sommertag. Das Fahren ist bei diesen Temperaturen wirklich angenehm. Zum ersten Mal fahre ich ohne Handschuhe und mit offener Jacke. Da ich den Wind genau im Rücken habe, spüre ich so gut wie keinen Fahrtwind. Nach 120 Kilometern nähere ich mich der bulgarisch-türkischen Grenze. Bereits 15 Kilometer vor der Grenze stehen die LKW dicht an dicht. Es muss Tage dauern, bis sie die Grenze passieren können. Ich ziehe links an ihnen vorbei und erreiche die PKW-Schlange. Vor mir warten lediglich drei Autos. Die Abfertigung auf bulgarischer Seite geht flott. Man will nur meinen Pass sehen und lässt mich passieren.
Vor dem Türkischen Posten sieht es ein wenig anders aus. Die Schlange ist mehrere hundert Meter lang und die Menschen stehen gelangweilt neben ihren Fahrzeugen. Bis ich das Kontrollhäuschen ereiche, vergehen 90 Minuten. Im Internet habe ich gelesen, dass die Einreise mit dem Fahrzeug für EU-Bürger auch ohne Carnet du Passage oder Triptick problemlos möglich ist. Also lasse ich mein Carnet im Gepäck und reiche dem Zöllner nur die Mopedpapiere und den Pass. Das löst ein wenig Verwirrung aus. Auf der ABE für das Moped ist das Nummernschild nicht verzeichnet. Dass es sich um ein zulassungsfreies Fahrzeug handelt und die Nummer mit der Versicherung vergeben wird, ist schwer verständlich zu machen.
Minutenlang werden ABE, Versicherungsschein und grüne Versicherungskarte von allen Seiten genau studiert. Die Dame im Zollhäuschen gibt auf und räumt das Feld für einen Kollegen. Der ist genauso verwirrt von den Papieren. Die Fahrer in der Schlange hinter mir werden langsam ungeduldig und beginnen zu hupen. Das scheint den Zöllner zu beeindrucken und nach einem Blick aufs Nummernschild hinten am Moped stempelt er das Fahrzeug in den Pass und lässt mich fahren. Ein weiterer Checkpoint ist schnell genommen. Vor mir liegt die Türkei.
23. Tag
Sofia - Plovdiv
24. Tag
Plovdiv - Edirne
Istanbul »







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André
Hallo Florian,
Du scheinst gut voran zu kommen.
Vielen Dank für die herrlichen Reiseberichte, da bekomme ich ein wenig Fernweh.
Ich bin mir sicher, das meine Schwalbe (1974) gerne auch mal solch eine Tour machen möchte - mit mir versteht sich.
Ich wünsche Dir viel Glück, Spass und Erfolg für Deine Ziele und hoffe, dass Dich Deine Schwalbe immer weiter trägt.
André
14. Oktober 2008
Broti
Hi Florian,
danke für das weitere unterhaltsame und informative Kapitel Deiner Reisegeschichte! Es ist schön, virtuell und in Gedanken etwas mit Dir mitreisen zu dürfen. Für die anstehenden Etappen durch die Südost-Türkei und insbesondere durch Syrien wünsche ich Dir alles, alles Gute! Wir “Zurückgebliebenen” freuen uns über jeden Twitter-Ton von unterwegs!
Take care!
Broti
14. Oktober 2008
Jeani
Hi Florian,
hm…freue dich…auch auf dem afrikanischen Kontinent wirst Du Dir die wenigste Zeit Gedanken über ein zugesetztes Benzinsieb machen müssen…;)
Danke für die sehr anschaulichen Berichte!
Weiterhin gute Fahrt!
Jeani
14. Oktober 2008
Jeani
Nachtrag: Etwas zu Syrien.
Der Verfasser war mit einer Ente unterwegs.
Infoquelle: wüstenschiff.de
Stand: September 2008
…einreise bei Kassab (südl.Antakya): wenig betrieb, knapp 1 1/2 std. für beiden grenzen, kein carnet nötig, wir sind mit multiple entry visa angereist, wurden an der grenze wg. dauer unseres aufenthaltes gefragt, auf unseren wunsch wurden einreisekosten für 3 wochen berechnet, versicherung soll für 1 monat gelten (für pkw 2470 SP=syrische Pfund, im Land auch Lira), kfz-zulassung für 3 wochen (für pkw 6500 SP), gewechselt wird exakt der benötigte betrag bei der bank an der grenze (wechselkurs 65 SP = 1 euro), frage nach dieselfahrzeug verneint, daher kann ich keine aussagen zur dieselsteuer machen. nur kurzer blick ins fahrzeug, keine fragen wegen GPS (trotz tft-touchpad fest montiert!), keine durchsuchung.
im land keine einzige kontrolle des fahrzeugs oder der papiere: ungehindertes fahren (ausser in direkter nähe zur libanesischen grenze, westl. von Al Nabk wurden wir von einer kleinen strasse wieder zur autobahn zurückgeschickt).
tanken ist ausser in direkter grenznähe kein problem, diesel 25 SP, benzin 40 SP. (in der türkei kostet benzin 3,33 YTL, diesel etwa 2,8 YTL, wechselkurs 1,75 YTL = 1 euro).
wir können ohne “offiziellen besuch” zu erhalten südlich von Ras al Bassit an den klippen am mittelmeer übernachten. auch sonst finden sich immer wieder ruhige nachtplätze im land, wir werden nie daraufhin angesprochen oder weggeschickt.
wir besichtigen viele ausgrabungen/ruinen/museen: eintritt immer 150 SP mit ticket. achtung: dienstags ist vieles geschlossen!
wir besichtigen auch damaskus und aleppo:
die menschen sind in damaskus vielleicht etwas weltoffener (hauptstadt), recht wenige frauen tragen schleier, sind öfters sehr westlich-modern gekleidet, in aleppo sind die leute geschäftstüchtiger (uralte handelsmetropole), viele frauen sind verschleiert bis hin zur komplett-schwarz-verhüllung. beide städte bieten sehenswürdigkeiten für viele wochen. damaskus gefällt uns besser, erscheint uns ruhiger, ist noch weniger touristisch verdorben (wenn wir das überhaupt erwähnen können). wegen des ramadan bleibt uns tagsüber, um etwas zu essen oder zu trinken, nur die möglichkeit, ins christliche viertel der altstadt zu gehen, dort sind lokale und restaurants geöffnet, ansonsten bleibt während der gesamten reise der tee/die wasserpfeife zwischendurch meist unmöglich, was von uns als grosser nachteil empfunden wurde.
die wasserräder (nurias) in Hama standen still, kein wasser, reparaturen?
mobilfunknetz ist überall und weit verbreitet, zu den preisen kann ich noch nix sagen, abrechnung von meinem deutschen betreiber fehlt noch. thuraya in syrien möglich, aber eigentlich kaum nötig.
verständigung ist leidlich in englisch möglich, ausschilderung an fast allen grösseren strassen auch in unserer schrift, doch achtung: die transscription ist oft unterschiedlich, qalat al hosn/craq de chevalier habe ich auf bestimmt 6 oder 7 verschiedene schreibweisen gelesen.
ausreise bei Kilis: ebenso unkompliziert und lange wie bei der einreise, 500SP ausreisesteuer sind p.P. zu zahlen, zur not auch in USD/euro, keine weiteren gebühren. keine fragen wegen GPS, keine fahrzeugüberprüfung, an der türkischen seite keine fragen oder prüfung wegen getanktem billigerem syrischen sprit.
mein gesamteindruck zu syrien:
hier gibt es endlos viel für kultur- und historisch/geschichtlich interessierte zu sehen und zu entdecken, für landschaftsbegeisterte sind die highlights etwas dünner gesät. uns gefiel der nördliche ausläufer des libanongebirges (Djebel al Nusayriyah, mit kiefern und zedern bewaldet) und der 1000 meter tiefe abbruch ins Al Ghab (das orontesbecken) sehr gut, ebenso die sanften hügel des Djebel al Arab im tiefen süden und das nördliche kalkbergland. eindrucksvoll auch das Euphrat-tal mit seinen bewässerten feldern (urtümlichstes syrien, hier ist tlw. noch die zeit stehen geblieben) und dem Assad-stausee.
wer nach syrien (auch) der wüste wegen fahren will, der ist dort falsch; es gibt zwischen aleppo-damaskus und dem euphrat fast unbewachsenes trockenes land, doch leider nur für die -ich glaube- meisten wüstenfreunde uninteressante hammada, leicht hügelig, ohne bizarre felsen, ohne sanddünen.
Gruß Jeani
14. Oktober 2008
Ben
hei florian,
echt klasse wie du meter machst, brauchen andere ne karbon-ktm zu. Guter reisebericht ohne vollcasko-metalität..
good luck,
ben
14. Oktober 2008
Broti
Florian,
ich zittere mir hier bei 10° oder so in Hamburg den Hintern ab, während Du vermutlich den Regen längst abgehängt hast und durch die sonnige Türkei düst… und nichts von Dir hören lässt
Ich bin ja schon wie meine Mutter: “Melde Dich mal, Jung!”. 5 Tage ohne Nachricht ist definitiv zu viel!
Liebe Grüße,
Peter
20. Oktober 2008
Jeani
da stimme ich broti, wenn auch im etwas wärmeren süden von deutschland, zu.
Wie geht es dir?
Gruß Jeani
20. Oktober 2008
GGIR
Hi Florian,
schon im Mittelmeer gebadet? Nun scheinst Du ja wohl Kälte und Regen hinter Dir gelassen zu haben.
Grüße
GGIR
20. Oktober 2008
MC
Heyho Onkel Flo!
Vielen Dank für die Karte. Ich habe mich sehr gefreut. Über die Geschichte mit der Katze in deinem Bett habe ich mich totgelacht. (stimmt das wirklich?)…
Auf der Karte haben mir am besten die bunten Strand-Schirme gefallen “Kinner-Schirme” ;-))
Du bist schon ganz schön lange weg. Heute hat Mama mir gesagt, dass du erst wieder kommst wenn ich schon im Kindergarten bin.
Liebe Grüße von MC Lotta
20. Oktober 2008
Lars & Susi
Moin Flo,
wir warten schon gespannt auf Deinen nächsten Reisebericht, da bekommt man Fernweh, besonders bei den Fotos! Hast Du schon gebadet? Wir halten uns hier mit warmen Tee über Wasser. Nächstes Wochenende besuchen wir unser Patenkind und freuen uns schon auf lecker Äpfel und Apfelsaft. Wir heben Dir welche auf-vielleicht aber lieber ne Flasche?
Liebe Grüße
L&S
21. Oktober 2008
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