Entlang des Mittelmeeres
Das Baden im Mittelmeer verschiebe ich auf später. Auf meiner Karte ist entlang der Strecke bis Mersin durchgehend Strand eingezeichnet. Kurz vor Erdemli komme ich an einem kleinen Campingplatz direkt am Meer vorbei. Heute will ich unbedingt mal wieder zelten. Aber noch ist es zu früh, um den Tag zu beenden und ich glaube bis nach Mersin noch an weiteren Campingplätzen vorbei zu kommen. Der einzige Zeltplatz, den ich unterwegs noch entdecken kann, hat aber leider schon geschlossen. In Mersin gibt es nach Auskunft der befragten Leute keine Campingmöglichkeit. Also wieder in eine Herberge.
Entgegen meinen Erfahrungen aus anderen türkischen Städten, befinden sich die günstigen Hotels in Mersin am Busbahnhof. Auf meinem Weg dorthin werde ich an einer Ampel mal wieder von einem Autofahrer angesprochen: “Hey, I need to talk to you!” “Okay..?” Mahmud ist großer Motorradfan und stolzer Besitzer zweier BMW: “50cc is toooo small…”. Der Innenarchitekt hat seine Geschäftsräume nur zwei Straßen weiter und wir verbringen die nächste Stunde bei Tee und Kaffee in seinem Büro.
Am Busbahnhof von Mersin befinden sich ein halbes duzend Hotels nebeneinander und das erste, das ich ansteuere, darf mich als Gast begrüßen. Das Moped kann im Frühstücksraum parken und ich gehe rüber zum “Otopark”, um etwas zu essen. Beim Essen gesellt sich ein Herr zu mir, der, wie sich herausstellt, Armenier ist. Zuerst vermute ich, er sei Busfahrer. Als er aber versucht die Speisekarte zu lesen und das Menü dafür ungefähr zwei Zentimeter vor seine Augen hält, hoffe ich, dass ich mich täusche. Die Verständigung ist schwierig, ich glaube aber später zu verstehen, dass er in der Türkei arbeitet und nun auf dem Weg zu seiner Familie in Armenien ist. Während des Gesprächs klingelt sein Mobiltelefon und kurze Zeit später bimmelt ein Zweites in seiner Hemdtasche. Auf meinen fragenden Blick hin, zeigt er auf das erste Telefon und auf seinen Ehering und dann auf das zweite Telefon und auf seinen Ringfinger der anderen Hand ohne Ring. Schlingel.
Der nächste Tag beginnt mit Frühsport. Die Zimmertür, die ich vor dem Schlafengehen von innen abgeschlossen habe, lässt sich nicht mehr öffnen. Der Schlüssel klemmt. Im Bad befindet sich in drei Metern Höhe glücklicherweise ein kleines Fenster mit Blick auf den Hotelflur. über einen Stuhl und via der eingekachelten Seifenschale erreiche ich die Öffnung und kann mich gerade so hindurchzwängen. Von Außen funktioniert der Schlüssel.
Von Mersin fahre ich über Adana noch weiter gen Osten. Das Fahren bei dem Wetter ist so angenehm, dass ich, als ich die erste Pause einlege, bereits 170 km zurückgelegt habe. Die Strecke führt mich weiter entlang des Meeres. Zwischen Osmaniye und Iskenderun reiht sich aber eine Industrie-Anlage an die nächste. Schön wird die Umgebung erst wieder als die Strecke über den 750 Meter hohen Belen-Pass ins Landesinnere abbiegt. Abends erreiche ich Antakya. Von hier bis zur Syrischen Grenze sind es keine 50km mehr.
Den ersten Tag in Antakya verbringe ich mit der Wartung der Schwalbe. Kette nachfetten und spannen, Luftfilter und -zufuhr reinigen, Batterie nachfüllen, defekte Glühlampen austauschen, eine Speiche am Hinterrad nachziehen und den Dämpfer im Auspuff reinigen. Dabei stelle ich fest, dass die Überwurfmutter am Krümmer nicht mehr richtig fasst. Eine kurze E-Mail an AKF löst das Problem schnell und unkompliziert. Vielen Dank. Ansonsten hat die Simson die Fahrt durch Zentralanatolien tapfer gemeistert und auch die Bergetappen bis hierher gut verdaut.
36. Tag
Mersin - Antakya
37. - 45. Tag
Antakya
Syrien »







19 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?
Jeani
Hallo Flo,
du schreibst sehr anschaulich. Vielen Dank !
Weiterhin gute Fahrt wünscht
Jeani
27. Oktober 2008
Broti
Mein Herz schlägt schneller da ich weiß, daß Du, während ich das hier bei einem Kaffee im Büro lese, durch Syrien donnerst. Ich hoffe, Du hälst nach Deiner Wiederkehr einen dieser Dia-Vorträge über Deine Reise, denn da ist so viel, was ich eigentlich noch gerne sehen und wissen würde!
Was Syrien angeht, so wünsche ich erst einmal “guten appetit” und denke daran, wie gerne ich früher in hamburg im “saliba” syrisch essen war… muß ich unbedingt mal wieder hin!
dir also gute & heile fahrt sowie liebe grüße aus hamburg,
peter
27. Oktober 2008
Tobi
die bilder sind der hammer!!!! tolle reiseberichte weiter so!!!! wie viel kilometer hast du bis jetzt eigentlich schon abgerissen???
weiterhin viel glück und gute fahrt!!!
grüße aus hh
tobi
27. Oktober 2008
heiko
Salut Flo,
hier ist das Wetter jetzt so richtig scheisse. Und nach Finanz- regiert die Wirtschaftskrise und gar nicht nebenbei der Jogi-Ballack-Skandal. Also alles beim alten. Ausser natürlich die herrliche Berichterstattung vom unaufhaltsamen Schwalbenflug - demnächst auch aus Syrien. Weiter alles beste - und auch an dieser Stelle beste Grüße an das Team von AKF!
heiko
Ludwigtrasse bleibt!
27. Oktober 2008
Gregor Steffen
Gregor
Hallo Globetrotter,
mit Spannung erwarten wir ständig Deine Berichte.Du verstehst es das Erlebte gut wiederzugeben,so daß wir es nachvollziehen können.
Mit google-earth sind wir Dir immer auf den Fersen.
Für die nächsten Kilometer ein gutes Weiterkommen.
Gruß aus HGW von Karin und Gregor
27. Oktober 2008
Kai
Hey Floh , wiedermal Sitze ich hier mit Spannung vor meinem Rechner und ” Inhaliere ” Deinen Reisebericht : Ich freue mich über jeden Kilometer , den Du mit der Schwalle zurücklegst .Weiterhin viel Erfolg auf Deiner Reise.
Lg Die Simsonfreunde aus Roydorf.
27. Oktober 2008
Larsson
Moin moin
von den Simson-Kameraden aus HH-Bergedorf. Danke für deine interessanten Berichte. Macht Lust auf mehr. Keep on schwalbing!
29. Oktober 2008
Ben
Hi Florian,
wer es bis Syrien schafft kommt auch bis nach Kapstadt. Alles Gute.
Ben
30. Oktober 2008
Jeani
Hallo Flo,
ich fliege ja morgen nach nairobi und werde wohl deine berichte nicht mehr regelmäßig lesen können.
aber wie versprochen, wenn du hilfe usw. brauchst melde dich, wenn du ihn kenia bist. würde mich freuen dich in nairobi zu sehen und mir viel von deinen erlebnissen erzählen zu lassen.
Also weiterhin gute fahrt!!
Gruß Jeani
30. Oktober 2008
Broti
Jetzt hör mal auf in Damaskus im Internet-Cafe zu sitzen und uns alle hier auf die Folter zu spannen, Florian! Los! Schreib! Jetzt!
31. Oktober 2008
Broti
Danke!
1. November 2008
Broti
Jordanien? Und wir haben noch kein Wort über Syrien gehört…
Fahr´ langsamer!!!! 
6. November 2008
Morten
Moin Flo,
Fast zwei Wochen sehnsüchtiges Warten auf mehr von Deinen Berichten ist definitiv zu lang, auch wenn man ahnt, dass der Internetzugang in Syrien eher begrenzt ist.
6. November 2008
Morten
P.S.: Superschöne Fotos - entschädigen ein wenig
6. November 2008
Broti
Ohja, die Photos hatte ich doch glatt übersehen! Warst Du in der Umayyaden Moschee in Damaskus??
6. November 2008
May
hallo florian,
deine berichte versüßen den tag und lassen den nasskalten november ganz schnell vorüberziehen.
s p a n n e n d !!!
7. November 2008
jeannine
liebstes flohchen,
nun kommt doch bald wieder meine frage mit dem löwen und dem baum in meinen kopf und wie verhält sich nochmal messergewalt gegnüber kognitiver umstrukturierung bei fremdkulturellen interaktionen? denke oft schmunzelnd an die alten schäumo-tage in der kieler, wo ben über den milchmangel,bims über die nicht einzufangenden “oldtimer” vis-a-vis und frau riekhoffs taue und bob über eine gewisse lache stolperte… wünsch dir nur gutes für kopf und herz.
luftgrüsse von jackie36
7. November 2008
zwen
*hehe* der rüpel! aber ne nette idee mit den zwei handys!!!
dir noch eine gute fahrt!
25. November 2008
Raphi
Hey
echt gut geschrieben!
ich muss sagen ich lese nie bücher, aber deine berichte kann ich kaum aufhören zu lesen
15. Dezember 2008
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