slowwaydown.com - Mit dem Moped von Hamburg nach Kapstadt

Syrien

Nach 20 Tagen nehme ich Abschied von der Türkei. Ich behalte das Land in guter Erinnerung zurück. In der Zeit, die ich hier verbracht habe, bin ich ausschließlich auf liebenswürdige Menschen getroffen. Die vielen Einladungen zum Tee kann ich am Ende gar nicht mehr zählen. Von Antakya geht es ostwärts durch den Ort Reyhanli an die Syrische Grenze. Die Abfertigung auf türkischer Seite geht zunächst recht flott. Am zweiten Checkpunkt warte ich hinter ein paar Leuten, die mit dem Taxi zur Grenze gekommen sind, und nun zu Fuß am Grenzhäuschen stehen. Als der letzte an der Reihe ist und ich gerade vorfahren will, hält ein Reisebus und die Passagiere strömen an den Schalter. Nun sind ungefähr vierzig Leute vor mir. Ein Beamter, der die Szene beobachtet hat, gibt mir Nachhilfe in Sachen Grenzübertritt in Nahost: Moped abstellen und alles zu Fuß erledigen. Der dritte Checkpoint ist die Zollstelle. Hier muss die Schwalbe wieder aus meinem Pass ausgetragen werden. Und auch hier wird alles per Pedes erledigt. Die Menschen kommen in ihren Fahrzeugen an und parken einfach irgendwo, um sich dann am Häuschen anzustellen. Hat man dann alles beisammen, bahnt man sich seinen Weg hupend aus der parkenden Blech-Menge, um dann außen herum irgendwie weiterzukommen - auf der Fahrspur steht die Menschentraube.

Auf Syrischer Seite ist es nicht anders. Hier macht es aber auch ein wenig Sinn, denn niemand reist mit einem Fahrzeug nach Syrien ein, ohne das Zollgebäude am Rande der Grenzstation besuchen zu müssen. Um die Grenze passieren zu können, muss man verschiedene Schalter in einer ganz bestimmten Reihenfolge ansteuern. Das gelingt mir nicht gleich im ersten Anlauf. Auch nicht im Zweiten und Dritten. Irgendwann habe ich es dann kapiert und alle meine Stempel zusammen, das Moped versichert und für alles meine Gebühren bezahlt. Ich darf nach Syrien einreisen. Insgesamt hat der Grenzübertritt ungefähr zweieinhalb Stunden gedauert. Wenn man weiß, wie es geht, schafft man das wahrscheinlich auch in einer Halben.

Von der Grenze ins syrische Aleppo sind es nur noch 60 Kilometer. Die Strecke führt meist über plattes Land und so habe ich den Weg schnell zurückgelegt. Erfreut stelle ich fest, dass viele der Straßenschilder nicht nur in Arabisch gehalten sind. So folge ich der Ausschilderung in Richtung “City Centre”. Auf dem Weg durch die Stadt komme ich an keinem Hotel vorbei und so halte ich erst wieder auf einem kleinen, verkehrsreichen Platz vor einer Moschee mitten in der Stadt. Der Polizist, der sofort zu mir rüber kommt, will bloß ein bisschen Plaudern und das Moped betrachten. Als ich ihm erzähle, dass ich aus Germany komme, wird ein Herr hellhörig, der in der nähe steht. Er heiß Albert, hat eine deutsche Mutter und hat lange in Freiburg gelebt. Mit seinem Auto fährt er vorweg und zeigt mir ein Hotel.

Auf folgenden Tag schaue ich mir die Stadt an. Vom Hotel laufe ich durch die überdachten Märkte (Souqs) der Altstadt bis zur Zitadelle, die 50 Meter über der Stadt thront. In der Nähe der Zitadelle finde ich den Platz wieder, an dem ich gestern gehalten habe. Obwohl heute Freitag und die Stadt wie leer gefegt ist, herrscht hier reges Treiben. Die Menschen sind auf dem Weg in die Al-Dschami’al Kabir Moschee zum Freitagsgebet. Ich schließe mich an und folge ihnen in die Moschee. Im Innenhof verbringe ich die heißen Mittagsstunden im Schatten und genieße die ruhige Stimmung. Erst am Nachmittag mache ich mich wieder in die Stadt auf. Viele der Geschäfte haben jetzt wieder geöffnet und die Stadt belebt sich nach und nach.

Am nächsten Tag fahre ich auf der Autobahn bis nach Hama. Die Strecke ist recht unspektakulär und eintönig und führt vorwiegend durch weites Ackerland. Etwas Abwechselung bieten aber immer wieder die LKW, Autos und Motorräder, die einem auf der rechten Spur entgegenkommen. Hama ist ein ziemlich kleines Städtchen. Dennoch wird es von zahlreichen Touristen besucht. Das liegt an den hölzernen Wasserrädern, die vor 2.000 Jahren hier gebaut wurden, um das Wasser des Flusses Orontes über ein Wasserleitungssystem an höhergelegene Stellen in der Stadt zu befördern. Die Wasserräder drehen sich noch immer, fördern aber kein Wasser mehr.

Auf der Fahrt nach Damaskus ändert sich die Landschaft. Es wird bergiger und die Umgebung stetig trockener. Im Westen taucht das Antilibanon-Gebirge auf. Die Berge bilden die natürliche Grenze zum Libanon. Homs umfahre ich auf der Umgehungsstraße. Als die Straße wieder auf die Nord-Süd Strecke trifft, ist geradeaus Bagdad ausgeschildert. Ich biege nach Süden in Richtung Damaskus ab.

Im Internet habe ich ein Hostel in Damaskus gefunden, dass in der Altstadt liegt. “Old Damascus” ist auch gut ausgeschildert, doch komme ich genau am falschen Ende der Altstadt an. Den Altstadtbereich zu befahren, scheint nur mit Genehmigung möglich zu sein. Die Wachposten an der Stadtmauer machen aber keine Anstalten, mich aufzuhalten. Die Wege in der Altstadt sind meist nur so breit, dass gerade ein Auto durchpasst und bilden ein großes Netz aus Einbahnstraßen. Auch hier herrscht dichter Verkehr. Ewig kreuze ich durch die Gassen und genieße dieses Sightseeing per Moped. Nur das Hostel ist weit und breit nicht zu entdecken. Immer wieder halte ich und Frage nach dem Hostel. In einem Internetcafé checke ich noch einmal die Internetseite des Damascus-Hostel und zeige die dort abgebildete Wegskizze einigen Jungs im Café. Es folgt das bekannte Spiel. “We take the car, you follow us.” An einer Gasse, die viel zu schmal ist für ihren alten Mercedes, halten sie und deuten mir, hier rein und am Ende links.

Das Hostel liegt am Rand des Viertels Bab Touma, direkt an der Stadtmauer. Aus der Altstadt ist es, wenn überhaupt, nur mit einem sehr schmalen Auto zu erreichen. Von der anderen Seite her per Strickleiter über die vier Meter hohe Stadtmauer. Im Hostel treffe ich auf einen Engländer, der eigentlich nächsten Monat einen neuen Job anfangen wollte und den Vertrag schon unterschrieben hatte. Noch bevor er überhaupt einen Tag gearbeitet hat, ist er mit Abfindung auch schon wieder rausgeflogen. Er ist war in der Finanzbranche.

Als ich das Hostel am Abend noch mal verlasse, um etwas zu essen, überlege ich kurz, erstmals auf dieser Reise das GPS rauszuholen. Die engen Gassen im Dunkeln laden gerade dazu ein, sich zu verlaufen. Ich traue mich dann aber doch ohne. Den folgenden Tag verbringe ich in den Souqs und auf den kleinen Plätzen der Altstadt. Das Treiben ist nicht hektisch aber sehr, sehr wuselig. Es gibt unzählige kleine Läden und Verkaufsstände. Die Händler preisen lauthals ihre Waren und Feilschen mit der Kundschaft. In der Luft der Duft von Gewürzen, frisch gemahlenem Kaffee und der Geruch der vielen lebenden Tiere vor den Fleischgeschäften.

Old Damascus verlasse ich diesmal auf direktem Wege und finde schnell die Autobahn nach Jordanien. Nach 90 Kilometern komme ich an die Grenze. Die Formalitäten auf syrischer Seite sind schnell erledigt und ich rolle durch eine breiten Streifen Niemandsland auf den jordanischen Zoll zu. Schon von weitem sieht man den Unterschied. Die Gebäude hier sind modern und gepflegt, große Schilder empfangen einen freundlich. Erst jetzt wird mir der sozialistische “Charme” der syrischen Amtsstuben richtig bewusst.

Das ganze Prozedere der Abfertigung auf jordanischer Seite wird getrennt nach “Jordans”, “Arabic”, “Foreigner” und “CD” abgewickelt. Da bei den Foreigners aber niemand arbeitet, darf ich den ganzen Prozess als CD durchlaufen. Meine Erfahrungen mit Grenzübertritten wächst stetig. So passiere ich schon nach 45 Minuten den letzten Checkpoint. Jordanien liegt vor mir und bis Amman sind es keine 100 Kilometer mehr.

46. Tag
Antakya - Aleppo

47. Tag
Aleppo

48. Tag
Aleppo - Hama

49. Tag
Hama - Damaskus

50. Tag
Damaskus

51. Tag
Damaskus - Amman



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11 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?

  1. Ralf

    hi Flo !
    Super das es alles so gut läuft. Deine Berichte sind echt nett. Flieg weiter so. Grüße von uns viern

  2. basti

    Heyho Flo!

    Freu mich riesig von dir zu lesen!
    Wenn du weiter so ein Tempo an den Tag legst, ist die Wahrscheinlichkeit da, noch ein weiteres Mal von Christoph und Gideon auf einen Kaffee eingeladen zu werden ;-)
    Viele Grüße von uns 3en aus der Meise

  3. Broti

    Ich schaue mir das Bild 29/29 aus der Syrien-Abteilung an und sehe die Schwalbe vor diesem Verkehrsschild stehen. Wie weit ihr beide es nun geschafft habt, und wieviel Weg noch vor Euch liegt. Ich beneide Dich darum. Insbesondere beineide ich Dich um die Langsamkeit Eurer Reise (auch wenn ihr schnell vorankommt).

    Ein befreundeter KTM-Händler rief mich die Tage an um mir mitzuteilen, daß KTM auf der Eicma-Messe in Mailand “endlich” die Reiseenduro auch mit 115 statt 96 PS (oder so) baut. Wie wenig man mit so einer Information anfangen kann, wenn man Deiner Reise folgt, muß ich nicht erwähnen, oder?

    Und ich will ja nur in die Seealpen für 2 Wochen. Armer KTM-Händler.

    Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Reise, Florian! Liebe Grüße, Peter

  4. jeani

    hi florian,
    weiterhin gute fahrt !!!
    gruesse aus nairobi von jeani

  5. Marius

    moin moin!
    Schön zu hören, dass alles so gut läuft. Die Bilder sind echt beeindruckend! Gute Fahrt weiterhin!

  6. jörg

    respekt, ich wünsche dir alles gute auf der weiteren fahrt, gute erlebnisse, freundliche und hilfsbereite menschen, und mut, denn es gibt immer einen weg jörg

  7. gunnar

    warte jeden tag gespannt auf nen neuen reisebericht. großartig! wünsch dir weiterhin ne hammer-fahrt.

  8. GGIR

    Hallo lieber Florian,

    während Du schon in Amman warst habe ich meinen Geburtstag mit Freunden gefeiert. Wir haben viel von Deiner Reise gesprochen und alle sind meinem Wunsch nachgekommen für das HIV/Aids-Projekt zu
    spenden. Das aufgestellte Sparschwein wurde gut gefüttert, sodaß ich einen schönen Betrag überweisen konnte. Ich hoffe, das es ein Ansporn für viele ist dem Beispiel zu folgen, damit die benötigte Summe zusammen kommt.
    Dir lieber Florian weiterhin Gute Fahrt und herzliche Grüße aus dem Norden
    GGIR

  9. Tobi

    Hi,

    Hattest du dein Visum für Syrien
    im Vorraus besorgt

    http://www.syrianembassy.de/SyrianSite/Deutsch.html

    oder gab es das an der Grenze?

    LG, Tobi
    http://www.adventure-travel-experience.de

  10. Basti

    Wir können gemeinsam etwas tun!
    Seit letzter Woche befindet sich Florian Rolkes SWD- Projekt im Rennen um den Amazee Bucket 2008
    Alle Einzelheiten:
    Slow Way Down feiert Bergfest

  11. salvatore-catarraso

    hallo florian hoch interesant,mutig ainfach zu benaiden wie tu das geschaft hast NOCHMAL KONPLIMENT: so ainem klainem turr werde ich im mai starten run um –bodensee- ainem gruß salvo nochmal konpliment

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