slowwaydown.com - Mit dem Moped von Hamburg nach Kapstadt

Jordanien

In Richtung Amman verlaeuft die Strecke durch eine karge, wüstenaehnliche Landschaft. Obwohl der Boden eigentlich nur sandig und steinig ist, sind weite Flaechen gepflügt. Diesem staubigen Boden wird tatsaechlich noch etwas essbares abgerungen. Kurz vor Amman beginnt dann die Wüste. Im Sonnenuntergang fahre ich auf die beleuchtete Silhouette der jordanischen Hauptstadt zu. Von einem Bekannten aus alten Pfadfinder-Tagen, der eine Zeit lang hier gelebt und gearbeitet hat, habe ich eine Kontaktadresse in der Stadt bekommen. Ariane und Thomas arbeiten als Geologen in einem Wasserentwicklungsprojekt in Amman. Thomas ist zurzeit in Sachen Wasser im Jemen unterwegs.

Von einem Hotel in der Stadt, an dem ich stoppe, rufe ich Ariane an. Wir verabreden uns an einem Kreisverkehr und ich engagiere ein Taxi, um mich dort hinzugeleiten. Nachdem wir uns fast verpasst haben, laedt mich Ariane zu Pizza und Bier in eines der Restaurants ein, in denen diese Kombination in Amman mِglich ist. Die beiden haben eine Wohnung, nicht weit vom Zentrum entfernt.

Bis spaet abends lese ich in den diversen Reiseführern über Jordanien, die Ariane mir zur Verfügung stellt. Dieses Land hat so einiges zu bieten. Am naechsten Tag begebe ich mich per Taxi in die Stadt zum Sightseeing. Amman ist eine vergleichsweise moderne Metropole, die sich sehr unübersichtlich über mehrere Hügel verteilt. Der abendliche Rückweg per Taxi erweist sich als ein wenig kompliziert. Den Strassennamen, den ich mir vor der Abfahrt am Morgen notiert habe, kennt der Fahrer nicht. Er faehrt mich in einen Stadtteil, der irgendwie so aehnlich klingt. Diesen kenne ich wiederum nicht. In einem Hotel, in dem ich frage, kennt man dann aber den Sports-Center in der Naehe von Arianes Wohnung. Auf einem Zettel notiert man mir den Namen auf Arabisch. Nun klappt die Rückfahrt reibungslos.

Da ich bei meiner Einreise nach Jordanien mein Moped nur für eine Woche versichert habe, verlasse ich Amman schon nach zwei Naechten. Anhand der Reiseführer und der vielen Tipps von Ariane habe ich mir ein straffes Sightseeing-Programm zusammengestellt. Da gilt es keine Zeit zu verlieren.
Von Amman aus fahre ich auf direktem Wege zum Toten Meer. Die Strecke führt steil von 1000 Metern hinab auf -400 Metern. Innerhalb weniger Minuten wechselt die Temperatur von angenehm mild auf heiss. Der See liegt am tiefsten (natürlichen) Punkt der Erde. Durch starke Verdunstung hat er einen sehr hohen Salzanteil. Die extreme Wasserentnahme aus seinem Zufluss, dem Jordan, versraerkt diesen Prozess zusaetzlich. Die Fahrt entlang des Sees wird immer wieder durch zahlreiche Checkpoints von Polizei und Militaer unterbrochen. Israel ist nur wenige Kilometer entfernt.

Die erste Mِoeglichkeit zum Baden ist der Amman Beach Club. Wegen des horrend hohen Eintrittspreises will ich eigentlich schon weiterfahren, aber das Angebot auch Zelten zu kِoennen, überzeugt mich zu bleiben. Den Nachmittag verbringe ich mit ausgedehntem Sonnenbaden und Treiben auf dem See. Nach und nach füllt sich das Strandbad und grosse Lautsprechertürme werden aufgebaut. Heute ist Donnerstag und damit der erste Abend des beginnenden Wochenendes. Als die Freiluft-Party mit lauten Beats losgeht, bange ich um meinen Schlaf und entschliesse mich, doch noch weiterzufahren.

Im Sonnenuntergang fahre ich entlang des Toten Meeres bis zu Abzweigung nach Karak. Die kleine Stadt liegt weit oben in den zerklüftenten Bergen am Rande des Sees. Mit Einbruch der Dunkelheit beginne ich den Aufstieg. In einer Haarnadelkurve kommt mir ein Bus entgegen und ich muss ganz nach innen ausweichen. Hier ist es für die Schwalbe viel zu steil. Sofort würgt der Motor ab und ich rolle rückwaerts den Berg hinunter. Die Handbremse haelt das weit hinten liegende Gewicht nicht. Nach wenigen Metern habe ich genug Gleichgewicht, um mit dem Fuss die Bremse zu betaetigen. Nun stehe ich am Steilhang und kann den rechten Fuss nicht von der Bremse nehmen und den linken nicht vom Boden - sonst falle ich um. Mit der Hand betaetige ich den Kickstarter. Der Motor springt sofort an. Aber auch der zweite Versuch vorwaerts von hier wegzukommen, schlaegt fehl. Wieder geht es Rückwaerts ein Stück den Hang hinab. Bevor ich diesmal Bremsen kann, haenge ich mit dem Hinterrad zwischen losen Felsen am Strassenrand. Das Vorderrad einen Meter in der Luft.

Ich kann die Schwalbe ein bisschen nach links auf den Auspuff kippen und sie so zur Strasse hindrehen. Nach einigen Versuchen, schaffe ich dann auch das schwerbeladene Moped aus der Klemme zu befreien. In der Aussenkurve geht es dann nach oben. Für die ca. 30 Kilometer von der Kreuzung am See, bis nach Karak benِoetige ich zwei Stunden. In dem kleinen Ort finde ich auf Anhieb ein sehr günstiges Hotel direkt an der alten Burg.

In Karak bin ich nun auf dem Kings-Highway gelandet. Diese Traumstrasse durch das jordanische Gebirge verbindet viele der grِoessten Sehenswürdigkeiten des Landes. Die Landschaft ist spektakulaer. Und mit jeder Kurve und jeder überfahrenen Kuppe wird es besser. Es erweist sich ausnahmsweise mal als Vorteil, im ersten Gang langsam die Berge hoch zu kriechen. So kann ich mir in aller Ruhe diese unglaubliche Landschaft anschauen. Trotzdem muss ich mich immer wieder beherrschen, nicht alle paar Meter zu halten, um zu fotografieren. Mein Tagesziel will ich unbedingt ereichen. Wadi Musa ist der letzte Ort vor Petra, dem Platz der jahrtausend alten, in den Fels geschnitzten Grabtempel.

Durchgefroren von dem kalten Wind in der Hِoehe komme ich in Wadi Musa an. Schnell muss ich feststellen, dass es hier zwar viele einfache Hotels gibt, aber keine Günstigen. Dieser Ort ist wahrscheinlich der teuerste in ganz Jordanien. Dennoch bleibe ich für zwei Nنchte. So kann ich einen kompletten Tag in Petra verbringen.

Auf meinem Fussweg vom Hotel nach Petra treffe ich Gideon und Christoph wieder. Die beiden Motorradfahrer hatte ich vor zwei Tagen schon kurz an einer Tankstelle in Amman getroffen. Mit ihren BMWs sind sie ebenfalls in Hamburg gestartet und wollen auch nach Kapstadt. Bei Kaffee plaudern wir über die zurückgelegte Strecke.

Auch der Eintritt für Petra ist teuer. Aber es ist jeden Cent wert. Den ganzen Tag wandere ich durch die atemberaubende Landschaft. Immer wieder geht es an, aus dem Fels geschnittenen Monumenten und Tempeln vorbei. Wirklich faszinierend.

Mein Weg führt mich weiter auf dem Kings-Highway nach Süden. Das staendige Auf und Ab der Strasse laesst ein wenig nach und so komme ich zügig voran. Nach ca. 50 Kilometern mündet der Kings-Highway auf den Dessert-Highway, der Nord-Süd Autobahn durch Jordanien. 40 Kilometer vor Aqaba biege ich links ab. Auf mich wartet das naechste Highlight dieses wunderschoeِnen Landes: Wadi Rum.

Wadi Rum ist ein kleines Beduinen-Dorf inmitten einer Sandwüste, die von spektakulaeren Felsformationen umgeben wird. Das ganze Gebiet ist “Protected Area”. Es gibt kein einziges Hotel, dafür aber viele Mِglichkeiten zu Zelten. Kurz hinter dem Ort endet die Teerstrasse. Die Schwalbe macht sich erstaunlich gut in diesem Terrain. Obwohl ich den Reifendruck nicht gesenkt habe, pflügt sie einigermassen spurtreu durch den losen Sand. Dennoch belasse ich es bei einem kurzen Ausflug in den Sandkasten. Ich habe keine vernünftige Karte des Gebiets und die zahlreichen Autospuren verteilen sich bald in alle Himmelsrichtungen. Ich kehre um und suche mir ein Camp, an der Teerstrasse. Meine erste Nacht in der Wüste.

Am naechsten Tag muss ich leider schon weiter nach Aqaba. Die Aufenthaltsgenehmigung für das Moped laeuft ab. Von hier aus geht es mit der Faehre nach Aegypten auf die Sinai-Halbinsel. Von dort bin ich dann nur noch ein paar hundert Kilometer und eine Faehrfahrt vom afrikanischen Kontinent entfernt.

52. Tag
Amman

53. Tag
Amman - Karak

54. Tag
Karak - Wadi Musa

55. Tag
Wadi Musa - Wadi Rum

56. Tag
Wadi Rum - Aqaba



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19 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?

  1. Broti

    Wieder ein spannender Bericht! Danke, Florian! Das Mitlesen war dieses mal extrem spannend - und eiffersüchtig wegen Petra bin ich auch! Ich wünsche Dir ein weiterhin gutes Vorankommen - jetzt ja bald auf dem afrikanischen Kontinent.

    Liebe Grüße, Peter

    PS: Ich wette eine Kiste Astra, daß Du vor Gideon und Christoph in Kapstadt bist! :-)

  2. AKF Alex

    Weiter so Florian! Wir freuen uns alle hier über deinen superschnellen “Missionsfortschritt”. Wir freuen uns immer über deine spannenden Reiseberichte.

    Weiterhin alles Gute dir!!

  3. Johannes Kaiser

    Großer Respekt für deine Tour!
    Ich verfolge deine Reise sehr gespannt! Weiter So!
    Auf das deine Schwalbe weiterhin jeden Berg überwindet.

    Ich kann mir das gar nicht recht vorstellen mit einem Moped durch die Wüste zu fahren…

  4. philli

    slow flowflo..

    ich hab das buch von arved durch und weil es so gut is und ein gutes kontrastprogram zum warmen afrika sein koennte, würde ich es dir nun gerne senden.dit geht doch bestimmt irgendwie. aber wie!?
    flo und achtung: dit heisst nun nicht mehr negerkuss.viel spass in afrika.
    aber immer schön aufpassen..
    two tackt forever.
    philli

  5. junktschep

    hab von deinem vorhaben vor drei tagen im schwalbennest gelesen und seit dem mehrere motorradreisen (zwei davon bis nach china), die ich im internet finden konnte wahrlich aufgesogen.
    momentan steht für mich fest, dass ich eines tages auch so eine tour durchziehen werde und verfolge die nächsten monate erstmal weiterhin deine geschichten. ich fürchte aber, dass meine schwalbe solch trip nicht lange durchhalten würde.

    gruß aus Magdeburg!!!

  6. florian

    hab von deiner reise vor paar tagen über den link bei akf erfahren ist echt klasse deine berichte sind echt beneidenswert . ich hab auch seit ca 5 jahren ne schwalbe die kann echt was ab super wahl. ich wünsch dir noch viel erfolg und ne gute fahrt.
    gruß aus limburg

  7. GGIR

    Hallo Florian,

    nun hast wohl inzwischen den afrikanischen Kontinent erreicht. Ich hoffe,
    auf der weiteren Fahrt wirst Du weiterhin nur mit positiven Begegnungen für Dich zu tun haben. Jetzt wirst Du und Deine Schwalbe wohl noch
    stärker gefordert werden als bisher. Wir drücken Dir die Daumen und
    denken an Dich. Hab immer eine handbreit Sprit im Tank und genügend
    Luft zwischen den Felgen.
    Gute Fahrt! wünschen STR und GGIR

  8. Dietmar

    Hallo Florian,

    freue mich für dich, daß alles so prima und vor allem ohne Panne klappt. Deine Foto´s sind auch sehr schön. Weiterhin gute Fahrt.

    Gruß
    Dietmar

  9. Morten

    Moinsen Flo,

    wenn Dein einziges Problem weiterhin die Umlaute in Deinen Berichten bleibt ;-) ist ja alles super. Wieder einmal großen Dank für einen weiteren Bericht: Ride on !!!

    C-ya Morten

  10. junktschep

    schöne bilder

  11. Broti

    Was für Photos… wow. Schön blöd, hier in HH zu sitzen und die Zeit einfach nur abzuwarten. FERNWEH! :-(

  12. Cars10

    Immer weiter so! Slow way down….Du schaffst das, wenn auch die schwierigsten Etappen noch vor Dir liegen…

  13. Gunther

    Hallo Florian,
    absolut überwältigend Dein Projekt!
    Ich konnte mir nicht vorstellen eine solche Reise anzutreten. Selber fahre ich auch öfters in der schönen Heimat der Schwalbe und der anderen Vögel und Mopeds Touren von bis zu 200 Km. Dennoch absoluten Respekt zu deiner Reise. Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Flug und viel Glück. Gerne würde ich mir Bilder Deiner Reise ansehen.
    MfG
    Gunther aus Trusetal

  14. Wringler

    Wow!
    Man kann echt neidisch auf dich sein!
    Warte schon gespannt auf weitere berichte von dir!
    Weiterhin guten Flug.

    Grüße aus Gütersloh.

  15. Ben

    voll der hammer, kein kommentar..

    Grüße, Ben

  16. olliswr

    Diese Reise ist ja wohl mal der absolute Hammer… ich fahre eine S51 und bin damit bisher kaum aus dem Umkreis von Hamburg raus gekommen, daher bin ich echt fasziniert wie weit man mit der guten alten Schwalbe doch kommt. Also auch von mir: Allzeit guten Flug!

    Gruß
    olliswr aus Hamburg

  17. Mirek Rollinger

    Hi Florian, thank for second postcard from Syria. I would like write some informations about your way on Czech biggest motorbike server - http://www.motorkari.cz. Can I use your photos for this article? It will be translation and get shorted. Thank you and we cross fingers

  18. Michael

    Fahre mehrmals die Woche meinen 29 Jahre alten Habicht im Leipziger Berufsverkehr und dachte bisher dies sei was besonderes…aber mit so einem Gefährt nach south africa fahren- alle Achtung und gutes Gelingen!
    Michael

  19. Broti

    Von Petra nach Abu Simbel - das ist echt eine 1A-Tempel-Tour! :-) Photowunsch: Lass auch mal wieder die Schwalbe vor die Linse, Florian! Gute Fahrt!

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