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Malawi

Nachdem ich von Mbeya kommend einen langen und steilen Anstieg im Schneckentempo bewältigt habe, folgt eine lange Abfahrt hinunter zum Malawi-See. Über mehrere Kilometer fliegt die Schwalbe im Leerlauf dem See entgegen. Auf halber Strecke zur Grenze nach Malawi taucht dann der See glitzernd in der Ferne auf. Die Formalitäten auf tansanischer und malawischer Seite sind zügig erledigt und ich stehe schon bald mit dem Moped wartend vor dem Schlagbaum. Aber nichts tut sich. Beamte kommen und gehen, aber niemand macht Anstalten die Fahrt freizugeben. Irgendwann kommt dann einer der Zöllner, um mir zu sagen, dass sie den Schlüssel nicht finden und ich doch einfach auf der anderen Seite des Gebäudes vorbeifahren solle. Also mache ich kehrt und fahre entgegen der Fahrtrichtung an der rechten Seite des Zollbüros vorbei.

Hier kommt mir ein Auto mit drei jungen Leuten entgegen. Die Drei halten mich an, um kurz zu Plaudern. Sie sind Amerikaner und auf einer Rundreise durch Süd- und Ostafrika. Als ich sie nach Übernachtungsmöglichkeiten in Malawi frage, schenken sie mir kurzerhand ihren Lonely Planet Reiseführer für das südliche Afrika. Bisher war ich für diesen Teil der Reise noch führerlos. Gut, dass die malawischen Zöllner ein wenig schusselig sind… .

Im Norden Malawis verläuft die Strecke nicht weit entfernt des Sees und die Landschaft hier ist flach, wie an der deutschen Nordseeküste. Ohne Berge, Sand, Schlamm, Holperpiste, schlechtem Benzin oder sonstigen Widrigkeiten bringt das Moped noch immer über 60 km/h Spitzengeschwindigkeit. Ein ungewohnt schönes Reisetempo. Nach der teilweise recht heftigen Piste in Tansania bin ich froh erst einmal für längere Zeit auf Asphalt unterwegs zu sein. In Karonga baue ich mein Zelt im Garten eines Motels auf und koche mir mit Blick auf den See eine Nudelsuppe zum Abendessen.

Am nächsten Tag geht es weiter durch die flache Landschaft. Auf der Straße ist so gut wie kein Verkehr unterwegs, dafür aber wieder umso mehr Fußgänger und Radfahrer. Die Menschen winken mir zu und wenn ich stoppe, kommen sofort einige, um ein paar freundliche Worte zu wechseln. Nach einigen Kilometern wird die Landschaft allmählich hügeliger und im Süden und Westen tauchen hohe Berge auf. Mein Tagesziel für heute ist Livingstonia. Dieser kleine Ort liegt hoch oben in den Bergen etwa 15 Kilometer abseits des Sees. Ich hatte schon gehört, dass der Ort wieder nur über eine Piste zu erreichen ist. Aber 15 Kilometer können ja nicht so schlimm sein… . An der Piste die mich dann erwartet, beiße ich mir aber fast die Zähne aus. Diese kurze Strecke ist, neben dem Schlamm in Tansania, die bisher größte Herausforderung für das Moped. Die Strecke ist in etwa so miserabel, wie die Piste in Nordkenia, nur das sie zusätzlich noch steil den Fels hinaufführt.

Als ich den Campsite fünf Kilometer vor Livingstonia erreiche, bin ich selbst erstaunt, dass ich diesen Aufstieg bewältigt habe. Aber der Blick vom Campsite hinunter zum See entschädigt mal wieder für die Strapazen. Später fahre ich noch einmal mit dem unbeladenen Moped in den Ort, um Lebensmittel zu kaufen. Ohne Gepäck klettert die Schwalbe wie eine junge Bergziege die Piste hinauf. Sollte ich noch einmal mit einer Schwalbe auf Reisen gehen, dann werde ich mehr auf eine leichte Ausrüstung und leichtes Gepäck achten. Das macht eine Menge aus. Auf dem Campingplatz am Hang unterhalb Livingstonia bleibe ich zwei Nächte. Dann begebe ich mich behutsam auf den Abstieg hinunter zum See.

Nach Süden wird jetzt auch die Straße entlang des Sees immer bergiger. Für die 120 Kilometer nach Mzuzu benötige fünf Stunden. In dem gemütlichen Backpacker in Mzuzu, das eigentlich eher eine Bar mit Wiese zum Zelten ist, bleibe für zwei Tage. Hier schnappe ich auch zum erstenmal das Gerücht auf, dass meine geplante Route entlang des Sees nach Süden nicht möglich ist. In der Regenzeit ist eine Brücke eingestürzt und hat die Straße unpassierbar gemacht. Da ich auf jeden Fall aber noch einige Nächte direkt am See verbringen will, mache ich mich trotzdem auf den Weg. Notfalls muss ich halt wieder umkehren.

Als ich in Mzuzu noch kurz zur Bank fahren will, treffe ich auf alte Bekannte. Johanna und Anselm mit ihrem Magirus parken ebenfalls vor der Bank. Aus E-Mails wusste ich, dass sie ebenfalls in Malawi waren, hatte sie aber schon weiter südlich vermutet. Eigentlich wären sie auch schon längst auf halbem Wege nach Lilongwe, wenn sie nicht am Ortsausgang vom Mzuzu von der Polizei wegen zu schnellen Fahrens gestoppt worden wären. Jetzt brauchen sie Cash, um den Strafzettel zu bezahlen. Während ich auf der Straße halte und mit Anselm plaudere, kommen drei Polizisten zu mir. Ehe ich mich versehe, bekomme auch ich ein Knöllchen verpasst. Tüchtige Beamte. Ich verabrede mit Johanna und Anselm, mich mit ihnen in fünf Tagen in Lilongwe zu treffen und fahre weiter nach Nhkata Bay an den See.

Von Nkhata Bay fährt eine Fähre über den Lake Malawi nach Süden. Das wäre auch eine Alternative für die unpassierbare Straße. Am Hafen erhalte ich die Information, dass die Mitnahme des Mopeds kein Problem ist und auch der Fahrplan sagt mir zu. Ich könnte noch ein paar Tage am See verbringen und dann nach Süden schippern. Auf dem Rückweg zum Campsite komme ich mit dem Fahrer eines Minibusses ins Gespräch. Er erzählt mir, dass die Brücke zwar immer noch kaputt ist, aber mit einem Motorrad trotzdem problemlos zu passieren wäre. Mit den Bussen machen sie es immer so, dass sie die Passagiere bis zur Brücke fahren und diese dann zu Fuß nach drüben laufen. Auf der anderen Seite werden sie dann von einem anderen Bus wieder aufgenommen. Das hört sich gut an.

Nach einer Nacht verlasse ich Nkhata Bay und fahre entlang des Sees nach Süden. Nur 50 Kilometer weiter südlich steuere ich das Camp in Kande Beach an. Der Platz ist traumhaft und liegt an einem schönen Sandstrand direkt am See. Hier bleibe ich zwei Nächte und faulenze in der Hängematte am Strand. Der nächste Abschnitt der Strecke entlang des Sees ist eine schmale Teerstraße, auf der außer mir, so gut wie kein Verkehr unterwegs ist. Auch der Campsite in Sani Beach, wenige Kilometer südlich von Nhkotakota ist völlig verwaist. Seit die Brücke kaputt ist, bleiben die Gäste aus, klagt mir der junge Betreiber sein Leid.

Am nächsten morgen tobt ein heftiger Sturm über dem See und es sieht bedrohlich nach Regen aus. Ich packe schnell zusammen und mache mich auf den Weg in Richtung defekter Brücke. Kurz bevor ich die Querung erreiche, komme ich mal wieder an einen Checkpoint der Polizei. In keinem anderen Land bin ich bisher so häufig von den Ordnungshütern überprüft worden, wie hier. Aber die Kontrollen waren bisher immer freundlich und problemlos. Meist wird ein schneller Blick auf Führerschein und Versicherung geworfen und ich darf weiter fahren. So auch hier. Und auch kein Wort darüber, dass die Brücke entlang der Strecke gesperrt ist. Ich hatte ein wenig Bedenken, Sie würden mich vielleicht nicht bis zur Baustelle durchlassen.

Als ich die Brücke erreiche, ist diese schon wieder komplett repariert. Lediglich an den Zufahrtsrampen auf beiden Seiten wird noch gearbeitet. Trotzdem werde ich an der Brücke gestoppt. “No passing. Construction.” Der Bauarbeiter deutet mir an, ich solle, wie die Fußgänger, die provisorische Querung des weit über die Ufer getretenen kleinen Flusses nehmen. Über eine Strecke von ungefähr 50 Metern sind Baumstämme und Äste zu einem kleinen Pfad zusammengebunden. Einfach drüberfahren wird nicht funktionieren. Ich müsste das Moped entladen, die Sachen rübertragen und dann mit einem Helfer, das Moped langsam über die Stämme balancieren. Stirnrunzelnd wechselt mein Blick immer wieder zwischen dem provisorischen Pfad und der neuen, tadellosen und nur ca. fünf Meter langen Brücke. Der Bauarbeiter beobachtet mich die ganze Zeit und nach einem kurzen Moment nickt er mir zu und deutet mir an, über die Brücke zu fahren. Scherzhaft drohend, fügt er noch hinzu: “But don’t tell anyone”. “I won’t, I promise. Thank you.”

Nach etwa 100 Kilometern und zwei weiteren Police-Checkpoints erreiche die Hauptstraße nach Lilongwe. Von hier es sind es nur noch 100 weitere Kilometer bis in die Hauptstadt. Diese führen aber fast ausschließlich bergauf ins Landesinnere und kosten mich viel Zeit. Als ich gerade die Stadtgrenze erreiche, öffnet der Himmel seine Schleusen. Völlig durchnässt treffe ich auf dem Mabuya-Campsite wieder auf Johanna und Anselm. Die Beiden sind schon seit vier Tagen hier und haben erfolglos versucht eine gebrochene Blattfeder an ihrem LKW zu reparieren. Nun wollen sie so schnell es geht weiter nach Lusaka, um dort einen neuen Versuch zu starten. Als es am nächsten Tag noch immer wie aus Eimern regnet, bleiben wir aber noch einen weitere Nacht und brechen am folgenden Tag gemeinsam nach Sambia auf.

Auf dem Weg zur Grenze verschwindet dann die Sonne erneut und es beginnt wieder zu regnen. Glücklicherweise sind es bis dahin nur 120 Kilometer. Am letzten Polizei-Checkpoint vor dem Grenzort verrichtet dann ein äußerst gewissenhafter Polizist seinen Dienst. Genauer als seine Kollegen zuvor, studiert er meinen internationalen Führerschein, um dann festzustellen, dass ich nicht berichtigt bin Motorräder zu lenken. Als ich ihm zustimme, ist er etwas verwirrt. “But you are sitting on a Motorcycle!” Naja, nee. 50 Kubik. Ein Moped. Kein richtiges Motorrad. Nun ist er nicht mehr verwirrt, sondern fest entschlossen, einen Verstoß zu ahnden. Seiner Meinung nach, ist das Fahren ohne Führerschein. Alle Erklärungsversuche (”it’s a scooter”, “a Bicycle with a Support-Engine”, “it is NOT a Motorcycle”) prallen an ihm ab. Irgendwann zücke ich zusätzlich noch meinen nationalen Führerschein. Er verschwindet mit beiden Dokumenten und wendet sich Anselm und Johanna zu. Bremslichter und Rückfahrscheinwerfer werden hier gecheckt. Als er damit fertig ist, kommt er wieder zu mir und händigt Wortlos die Führerscheine aus. Das war knapp. Und man kann ihm das noch nicht einmal verübeln. Der internationale Führerschein ist da nicht sehr eindeutig.

Die Grenzformalitäten an der Grenze Malawis und Sambias sind dann mal wieder problemlos und schnell erledigt. Etwas außerhalb von Chipata in Sambia steuern wir einen Campsite an und verbringen die Nacht.

191. Tag
Mbeya - Karonga

192. Tag
Karonga - Livingstonia

193. Livingstonia

194. Tag
Livingstonia - Mzuzu

195. Tag
Mzuzu

196. Tag
Mzuzu - Nkhata Bay

197. Tag
Nkhata Bay - Kande Beach

198 - 199. Tag
Kande Beach

200. Tag
Kande Beach - Sani Beach

201. Tag
Sani Beach - Lilongwe

202.
Lilongwe

203. Tag
Lilongwe - Chipata (Sambia)



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4 Kommentare bisher, Kommentar hinterlassen?

  1. basti

    Heyho Flo!
    Love your beard! - Verwechslungsfaktor mit Mr Everett ist gigantisch ;-)

    Sei umarmt Bruderherz!
    Viele Grüße von allen aus der Meise

  2. philli

    hey floflow,…und ich dachte deine schwalbe ist ein flugzeug!
    gestern traff ich fat flag und die jungs ham schon mal für deine homecominpaddy zugesagt. keep on truckin, peace,philli

  3. Ben

    genau, wann ist die party denn? :-))

  4. Ungarischer Pressesprecher

    Mensch, der Flow is immer noch on the run…

    Viel Rückenwind auch weiterhin…

    Schöne Grüße aus dem verhangenen Frankfurt

    Clemens

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