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Sambia

Nachdem in der Nacht noch einige Tropfen Regen fallen, ist das Wetter am folgenden Tag trocken und sonnig. Den eigentlich ins Auge gefassten Ausflug in den “South-Luangwa Nationalpark” lassen wir aber dennoch ausfallen. Die Piste zum Park soll in einem desolaten Zustand und mit einer defekten Blattfeder am LKW nicht zu befahren sein. Stattdessen machen wir uns langsam auf den Weg in Richtung Lusaka.

Das Wetter hält den ganzen Tag und durch zumeist flache Landschaft kommen wir schnell voran. Der LKW fährt immer ein Stück voraus und Johann und Anselm warten dann alle zwei bis drei Stunden am Weg auf mich. Unsere Geschwindigkeit liegt nicht allzu weit auseinander und so müssen die Beiden nie lange auf mich warten. Kurz vor Sonnenuntergang suchen wir uns einen ruhigen Platz für die Nacht etwas abseits der Straße. Nach einem Fehlversuch, der uns mitten auf den belebten Bolzplatz eines Dorfes führt, werden wir ein Stück weiter fündig.

Nachdem Johanna und Anselm ihren LKW ausgerichtet und ich mein Zelt aufgebaut habe, bekommen wir Besuch. Ein Mann will uns zeigen, dass er nur einige Meter von Zelt und LKW entfernt, unter einigen Erdhügeln Holzkohle macht. Er erklärt uns, dass er häufig die Glut kontrollieren muss und deshalb auch Nachts durch unser kleines Camp kommen wird - wir sollen ihn doch dann bitte nicht erschießen. Wir versprechen es ihm und entschuldigen uns unserseits für die Unannehmlichkeiten.

Am nächsten Morgen gehen wir es gemütlich an und brechen erst nach einem ausgiebigen Frühstück auf. Die Landschaft wird nun langsam bergiger und abwechselungsreicher. Die schmale Teerstraße schraubt sich durch dichte Wälder einige kleine Berge hoch und führt dann in steilen Serpentinen hinunter zum Luangwa. Die Brücke über den Fluss, wird vom Militär bewacht. Die Grenze zu Mosambik ist nicht weit entfernt. Nach kurzem “woher und wohin?” ist der Checkpoint am Westufer schnell genommen und die Straße führt wieder in die kleinen Berge hinauf. Auf halber Strecke zwischen Luangwa-Brücke und Lusaka beginnt dann linkerhand der “Lower Zambezi National Park”. Wir biegen nach rechts von der Straße ab und finden einen schönen Platz für die Nacht.

Lusaka empfängt uns mit einer autobahnähnlichen Zubringerstraße. An ihr liegen gleich mehrere imposante Einkaufszentren mit Supermärkten, wie ich sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Das afrikanische Abenteuer der letzten Monate geht hier wohl so langsam zu Ende. Zumindest was die Infrastruktur angeht. Eigentlich schade.

Auf dem Campingplatz etwas außerhalb von Lusaka bleiben wir vier Tage. Johanna und Anselm lassen ihren LKW reparieren und ich bastel ein wenig an der Schwalbe herum. Hier schaffe ich es endlich, erneut den Simmerring am Kickstarter zu wechseln. Schon kurze Zeit nach dem ersten Wechsel des Rings im Sudan, hat die Schwalbe hier wieder Öl verloren. Beim Wechsel der Scheinwerfer-Glühbirne muss ich dann leider feststellen, dass meine letzte Ersatzglühbirne auch nicht funktioniert. Eine Neue bekomme ich wohl erst nach den Osterfeiertagen.

Für die Fahrt an die Victoria-Fälle in Livingstone benötigen wir zweieinhalb Tage. Das Wetter ist jetzt heiß und es sind kaum Wolken am Himmel. Die Regenzeit liegt nun endgültig hinter uns. In einem kleinen Ort entlang der Strecke kann ich eine Birne für meinen Scheinwerfer auftreiben. Leider gibt es nur eine, ich hätte gerne mein Ersatzteillager aufgefüllt.

In Livingstone verbringen wir drei Nächte. Am zweiten Tag besuchen wir die weltberühmten Wasserfälle am Zambezi-River. Den Fällen, die eigentlich Mosi-Oa-Tunya heißen, wurden 1855 von David Livingstone, dem ersten Europäer, der an seiner Fallkante stand, der Name der damaligen englischen Königin verpasst. Jetzt im April ist der Fluss reichlich gefüllt. Zehn Millionen Liter Wasser schießen so kurz nach der Regenzeit jede Sekunde die 108 Meter hohen Wasserfälle hinunter. Auf der sambischen Seite kann man auf einem Fußweg unterhalb der Fälle bis zur sog. “Knife Edge” laufen. Beim überqueren der Brücke zu diesem Aussichtspunkt wird man dann aber von der Gischt so Nass, als hätte man ein Bad im Fluss genommen. Der gesamte Fußweg entlang des “Eastern Cataract” ist die wahrscheinlich größte und definitiv die spektakulärste Erlebnisdusche der Welt.

Noch weiter flussabwärts überquert eine Eisenbahn- und Autobrücke den Sambesi. Der Fluss stellt an dieser Stelle die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe dar und die Brücke ist hierbei das Niemandsland zwischen diesen Ländern. Man kann als Fußgänger die Brücke betreten, ohne aus Sambia ausreisen zu müssen. Von hier aus hat man einen imposanten Blick auf den Fluss und einen Teil der Victoria-Fälle.

Wir verbringen auch noch den Ostermontag auf dem Campingplatz in Livingstone und brechen am folgenden Tag in Richtung Botswana auf. Bevor wir aber die Stadt verlassen, besuche ich noch schnell das Postamt. Hierher habe ich damals mein Päckchen mit einigen Ersatzteilen aus Kigali vorausgeschickt. Als der Postbeamte nach langem Suchen mit leeren Händen von hinten an seinen Schalter zurückkehrt, bin ich nicht sehr überrascht. Ich hatte damals beim Abschicken in Ruanda schon so meine Zweifel, ob es überhaupt ankommen wird.

Umso überraschter bin ich dann aber, als ich einige Kilometer außerhalb Livingstones einen Trabi am Straßenrand entdecke. Das kleine Auto steht dort als Werbeträger und Hinweisschild für einen Campingplatz. Erst jetzt fällt mir ein, dass ich irgendwo unterwegs schon mal davon gehört hatte. Ein Deutscher soll vor einigen Jahren die Pappe nach Sambia gefahren und hier einen Campingplatz eröffnet haben, so die Kurzfassung der Geschichte.

Von Livingstone nach Kazangula geht es 60 Kilometer entlang des Sambesi. Hier treffen auf engstem Raum die Länder Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe aufeinander. Mit einem Ponton überquert man den Sambesi und passiert hierbei die weltweit wohl kürzeste internationale Grenzverbindung. Ein einzelner Punkt inmitten des Flusses stellt die Grenze dar.

Die Grenzformalitäten auf sambischer und botswanischer Seite sind mal wieder weitestgehend unkompliziert und nach der Fahrt durch ein Desinfektionsbecken dürfen wir nach Botswana einreisen. In Kasane, nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt, bleiben wir auf einem Campingplatz direkt am Chobe-River. Die erste Nacht in Botswana wird begleitet durch das zufriedene Grunzen zahlreicher Flusspferde in umittelbarer Nähe des Camp-Sites.

204. Tag
Chipati - wenige Kilometer süd-östlich von Petauke

205. Tag
wenige Kilometer süd-östlich von Petauke - Nordrand des Lower Zambezi NP

206. Tag
Nordrand des Lower Zambezi NP - Lusaka

207. - 209. Tag
Lusaka

210. Tag
Lusaka - südl. von Monze

211. Tag
südl. von Monze - 100 KM vor Livingstone

212. Tag
100 KM vor Livingstone - Livingstone

213. - 214. Tag
Livingstone

215. Tag
Livingstone - Kasane (Botswana)



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Ein Kommentar bisher, Kommentar hinterlassen?

  1. Broti

    Das afrikanische Abenteuer der letzten Monate geht hier wohl so langsam zu Ende….

    Nee! Ich kann ja immer noch glauben, welche Strecke Du geschafft hast! Für mich bist Du irgendwie immer noch kurz Istanbul. Oder Wittenberg an Elbe. Aber doch noch nicht so kurz vorm Ziel? Geht nicht. Langsamer fahren. Schlangenlinien. Mehr Berichte!

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